Italienische Lombardei beginnt mit Roma-Zählung – Schweizer Roma protestieren mit Mahnwache gegen rassistische Massnahmen – Gesellschaft für bedrohte Völker

06 Jul 18

Italienische Lombardei beginnt mit Roma-Zählung – Schweizer Roma protestieren mit Mahnwache gegen rassistische Massnahmen

Das Parlament der norditalienischen Lombardei hat grünes Licht für den Beginn einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti gegeben. Als Antwort haben Schweizer Roma-Vertreterinnen und Vertreter heute Morgen vor dem italienischen Konsulat in Zürich eine Mahnwache abgehalten. Sie fordern ein Ende der rassistischen Massnahmen und dass Italien endlich konkrete Schritte gegen die Diskriminierung der beiden Minderheiten ergreift. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Mahnwache und das Anliegen.

Obwohl die von Innenminister Matteo Salvini vorgeschlagene Gesamterfassung der in Italien lebenden Roma und Sinti verfassungswidrig und diskriminierend ist, hat das Parlament der norditalienischen Lombardei grünes Licht für den Beginn einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti gegeben. Der Regionalausschuss wurde damit beauftragt, die legalen Roma-Siedlungen zu kontrollieren.

Die rassistischen Massnahmen von Salvini und seiner rechtspopulistischen Lega lösen nicht nur in Italien, sondern auch bei Roma in der Schweiz Wut und Empörung aus. Nun reagierten Schweizer Roma-Vertreterinnen und Vertreter, indem sie heute Morgen vor der italienischen Botschaft eine Mahnwache gegen Ausgrenzung und Diskriminierung der Sinti und Roma in Italien abgehalten haben.

„Es ist wichtig, dass wir als Schweizer Roma auftreten und unsere Solidarität zeigen. Roma sind Europäerinnen und Europäer wie alle anderen auch“, sagt Muharem Savdo, Mitorganisator der heutigen Mahnwache. „Wir sind Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Länder und kein Fremdkörper. Das muss anerkannt und respektiert werden“, ergänzt Roma-Aktivistin Rina Caldari.

Die rechtspopulistische Lega-Partei hat sich in den letzten Jahren nicht nur zunehmend radikalisiert, sondern gleichzeitig immer mehr Anhängerinnen und Anhänger gewonnen. Zielscheibe der populistischen Stimmungsmache sind unter anderem die Roma und Sinti im Land. „Es ist wichtig, dass die besorgniserregende Situation der Sinti und Roma in Italien, die regelmässigen Hassreden und die Diskriminierung zum Thema wird“, betont Angela Mattli, Kampagnenleiterin Minderheiten und Diskriminierung bei der GfbV.

Gegenwärtig leben ungefähr 150 000 Sinti und Roma in Italien, viele seit mehreren Jahrhunderten. Knapp die Hälfte besitzt die italienische Staatsangehörigkeit. Der Rest stammt aus anderen EU-Ländern. Von Diskriminierung betroffen sind insbesondere jene 25.000 Roma, die in staatlich errichteten Lagern aus Wohncontainern oder ausgegrenzt ausserhalb der Städte in unwürdigen Elendsvierteln leben.

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