Schweizer Firmen tragen zur Abholzung des Amazonas bei

25 Apr 19

Neue Studie zeigt: Auch deutsche und Schweizer Firmen tragen zur Abholzung des Amazonas bei

Ein heute von einer internationalen NGO-Koalition veröffentlichter Bericht zeigt, dass in die zunehmende Abholzung des Amazonas und die Rückschritte bei Menschenrechten in Brasilien auch nordamerikanische und europäische Unternehmen und Investoren involviert sind, darunter die Schweizer Bank Credit Suisse und das deutsche Unternehmen Acai GmbH. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt den Bericht und fordert die sofortige Sistierung von Handelsbeziehungen mit Firmen, welche die Abholzung des Amazonas vorantreiben und die dortige indigene Bevölkerung gefährden. Der Bericht wird veröffentlicht während des nationalen Indigenentreffens in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia, an dem auch eine Delegation der GfbV teilnimmt.

Seit der Wahl von Jair Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens hat die Abholzung des Amazonas im Vergleich zur selben Zeitspanne im Jahr 2018 um 54 Prozent zugenommen. Dabei dringen auch immer mehr Holzfäller und Goldsucher unrechtmässig in Indigenenterritorien vor. Die Gewalt gegen Indigene hat massiv zugenommen.

Anlässlich des nationalen Treffens der Indigenen Bevölkerung in Brasilien vom 24.-26. April zeigt die Studie der Indigenen-Organisation APIB (Articulação dos Povos Indigenas do Brasil, Nationale Dachorganisation Indigener in Brasilien) auf, wie brasilianische Akteure unter Brasiliens neuem Präsidenten die grossflächige Zerstörung des Amazonas vorantreiben, indem sie Handel mit europäischen oder US-Firmen treiben oder von Investoren finanziert werden. „Die Studie zeigt, wie der globale Markt jenen Sektor in Brasilien unterstützt, der am meisten für die wachsende Zerstörung des Amazonas und Menschenrechtsverletzungen an der indigenen Bevölkerung verantwortlich ist“, sagt Julia Büsser, Kampagnenleiterin bei der GfbV Schweiz. Die wichtigsten Treiber der legalen und illegalen Abholzung (rund 80 Prozent) im Amazonas und Cerrado, einer savannenähnlichen Landschaft, sind Rinderwirtschaft und Sojaanbau.

Der Bericht identifiziert exemplarisch 56 brasilianische Unternehmen und deren Geschäfte mit Soja, Rind, Holz, Leder und Zucker zwischen 2017 und Anfang 2019 – jener Zeitspanne, während der die illegale Abholzung deutlich zugenommen hat. Alle analysierten brasilianischen Unternehmen werden mit illegaler Abholzung, Sklavenhandel, Korruption und anderen kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht. „Indem zum Beispiel die Credit Suisse und weitere Finanzinstitute in globale Soja-Produzenten in Brasilien investieren, untergraben sie den dringend nötigen internationalen Kampf gegen den Klimawandel und decken statt dessen Bolsonaros Angriffe auf Umwelt und Menschenrechte“, so Julia Büsser von der GfbV.

Die Indigenen-Anführerin und Leaderin von APIB, Sônia Guajajara, kritisiert: „Soll sich die Situation verbessern, so brauchen wir internationale Hilfe. Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, brasilianische Agrarbusiness-Produkte zu boykottieren, bis sich die brasilianische Regierung der Demarkierung von indigenem Territorium annimmt und die Gewalt gegen die Indigenen stoppt“.

Im Bericht werden folgende Unternehmen in Deutschland und der Schweiz erwähnt:

  • Die deutsche Firma Acai GmbH – Fine Fruit Club beliefert Alnatura und Denn’s mit Purees und Smoothies. Açai GmbH importierte 9,1 Tonnen Açaí- Fruchtfleisch von der Firma Argus Comercio e Exportação de Alimentos. Der Inhaber, Arnaldo Andrade Betzel, ist Partner mehrerer Unternehmen im Bundesstaat Pará und ist seit langem sowohl in der Holzwirtschaft als auch im Fruchtzubereitungsbereich tätig. Zwischen 2017 und 2018 wurde Betzel wegen illegaler Abholzung in Pará mit einer Geldstrafe von 570’000 US-Dollar belegt.
  • Zusammen mit anderen Finanzinstituten hat die Credit Suisse der Firma Minerva 1,8 Milliarden Dollar an Risikokredit (Underwriting) zur Verfügung gestellt und hält  – ebenfalls mit anderen Finanzinstituten –  Aktien an Minerva im Wert von 45 Millionen Dollar. Minerva gehört zu den drei wichtigsten Fleischproduzenten in Brasilien und ist im Amazonas tätig.
  • Weiter investieren Finanzinstitute, darunter auch die Credit Suisse (Schweiz), in globale Soja-Produzenten in Brasilien wie die Louis Dreyfus Company.

Informationen zum nationalen Indigenen-Treffen „Acampamento Terra Livre“ in Brasilia

Vom 23. bis zum 26. April findet in Brasiliens Hauptstadt Brasilia ein nationales Treffen der indigenen Bevölkerung Brasiliens statt, das „Acampamento Terra Livre“. Tausende  Teilnehmer aus fünf Regionen Brasiliens finden in diesem Camp zusammen. Angesichts der jüngsten Rückschläge beim Sozial- und Umweltschutz unter Bolsonaro erhält die diesjährige Veranstaltung eine neue Dringlichkeit.

Zum neuen Bericht:

Der ganze Bericht ist hier einsehbar.

Bei Verwendung dieser Webseite stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Mehr Informationen