Malaysia: Menschenrechtsaktivistin droht Haft wegen Vorführung eines Dokumentarfilms - Gesellschaft für bedrohte Völker

10 Mrz 17

Malaysia: Menschenrechtsaktivistin droht Haft wegen Vorführung eines Dokumentarfilms

Die malaysische Menschrechtsaktivistin Lena Hendry wurde im Februar verurteilt, weil sie den Film „No Fire Zone: The Killing Fields of Sri Lanka“ im Juli 2013 in Kuala Lumpur vorgeführt hat. Ihr drohen drei Jahre Haft, da sie den Film ohne Zulassung der staatlichen Zensurbehörde gezeigt hat. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den Film im gleichen Jahr selbst in der Schweiz vorgeführt. Die GfbV fordert daher Malaysia auf, die Verurteilung zurückzunehmen und alle Anklagepunkte gegen Lena Hendry fallen zu lassen.

Am 22. Februar 2017 wurde die malaysische Menschenrechtsaktivistin Lena Hendry von einem Gericht für schuldig erklärt, gegen das drakonische Filmzensurgesetz verstossen zu haben. Ihr drohen drei Jahre Haft oder 30‘000 malaysische Ringit (6800 Franken) Busse. Am 22. März wird das Urteil verkündet. Der Fall zeigt die Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Malaysia deutlich auf und muss als Angriff auf die Menschenrechte im südostasiatischen Staat angesehen werden. Lena Hendry arbeitet für die malaysische Menschenrechtsorganisation Pusat KOMAS, welche sich seit 20 Jahren für die Meinungsfreiheit einsetzt. Pusat KOMAS organisiert seit 2003 Vorführungen von Menschenrechtsfilmen in Malaysia.

„No Fire Zone“ zeigt Kriegsverbrechen in Sri Lanka auf

Der Film „No Fire Zone: The Killing Fields of Sri Lanka“ vom britischen Regisseur Callum Macrae hat einen wichtigen Beitrag bei der Aufklärung von Kriegsvebrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Sri Lanka geleistet. „Der Film spielt eine enorm wichtige Rolle für die Aufarbeitung der Vergangenheit in Sri Lanka. Sogar die Vereinten Nationen beziehen sich in ihren Berichten auf den Film und bestätigen die gemachten Vorwürfe“, sagt Yves Bowie, Kampagnenleiter Sri Lanka bei der GfbV.

Druck der sri-lankischen Regierung

Die sri-lankische Regierung hingegen hat den Film als komplette Lüge bezeichnet und sowohl auf Regierungen als auch auf Menschenrechtsorganisationen Druck ausgeübt, den Film nicht zu zeigen. Auch die GfbV konnte 2013 „No Fire Zone“ nur unter Polizeischutz in Bern aufführen, da es im Vorfeld der Veranstaltung zu Einschüchterungen gekommen ist und eine sri-lankische Delegation die Vorführung besuchte. Auf die malaysische Regierung wurde von Sri Lanka ebenfalls sehr starker Druck ausgeübt, eine Vorführung des Filmes nicht zu erlauben. Malaysia hat sich dem Druck gebeugt und hat Lena Hendry sowie zwei weitere Aktivisten gleich nach der Vorführung festgenommen. In Sri Lanka selbst kann der Film, welcher lange Zeit dort verboten war, nun ohne Einschränkungen übers Internet gesehen werden.

Solidaritätsaktionen für Lena Hendry

Gestern, am 9. März, hat die GfbV in Zürich eine Solidaritätsaktion für Lena Hendry durchgeführt. Rund zehn vorwiegend tamilische Teilnehmer haben ihr Unverständnis für die Verurteilung von Lena Hendry ausgedrückt. In London haben über 20 Personen vor der malaysischen Botschaft zusammen mit Regisseur Callum Macrae protestiert und sich mit Lena Hendry solidarisiert. Die GfbV fordert Malaysia auf, die Verurteilung aufzuheben und alle Anklagepunkte gegen Lena Hendry fallen zu lassen. „Es ist kein Verbrechen, einen Menschenrechtsfilm zu zeigen. Es ist enorm wichtig, dass solche Filme einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden,“ sagt Yves Bowie.

Links

Kampagne

Stories

Berichte

Medienmitteilungen