Erinnern statt vergessen: Bundesrat soll den internationalen Gedenktag an die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma anerkennen - Gesellschaft für bedrohte Völker

08 Jun 17

Erinnern statt vergessen: Bundesrat soll den internationalen Gedenktag an die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma anerkennen

Die Schweiz hat im Jahr 2017 den Vorsitz der International Holocaust Rememberance Alliance (IHRA) inne. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und die Rroma Foundation beantragen beim Bundesrat, im Rahmen dieses Vorsitzes den Internationalen Gedenktag an die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma anzuerkennen. Dazu wurde im Nationalrat eine Motion eingereicht.

Im April 2015 erklärte das Europäische Parlament den 2. August zum Roma Holocaust Memorial Day in Gedenken an die mindestens 500 000 Roma und Sinti, die während des Zweiten Weltkriegs systematisch ermordet wurden. Die Resolution wurde im Juli 2015 von der Europäischen Kommission bestätigt.In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 liquidierten die Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau das sogenannte „Zigeunerfamilienlager.“ Ermordet wurden in dieser Nacht fast 3000 Menschen –  vor allem Frauen und Kinder – die letzten Sinti und Roma-Häftlinge des Konzentrationslagers. „Die Einführung des Roma Holocaust Memorial Day ist ein wichtiges Zeichen für die Anerkennung dieses Völkermordes“, sagt Angela Mattli, Kampagnenleiterin Minderheiten und Diskriminierung der GfbV.

Seit dem 7. März 2017 hat die Schweiz erstmals den Vorsitz der International Holocaust Rememberance Alliance (IHRA) inne. Dabei möchte sie insbesondere im Bereich Bildung und Erziehung mehr Verantwortung übernehmen. Die GfbV und die Rroma Foundation begrüssen diesen wichtigen Schritt: „In der Schweizer Gesellschaft sind die Kultur und Verfolgungsgeschichte der Roma und Sinti leider wenig bekannt – unter anderem auch, weil die Vermittlung des Roma-Holocaust, aber auch die Schweizer ‚Zigeunerpolitik’ nicht zum obligatorischen Schulstoff gehören“, so Cristina Kruck, Präsidentin der Rroma Foundation und Mitglied der Begleitgruppe der Schweizer Delegation der IHRA. „Als Folge davon werden Klischees und Vorurteile gegenüber Roma und Sinti auch in der Gegenwart unhinterfragt weitergegeben.“

Motion eingereicht

Mit einer gestern eingereichten Motion beantragt Nationalrätin Martina Munz (SP/SH) beim Bundesrat, den Roma Holocaust Memorial Day auch in der Schweiz anzuerkennen und zu begehen. Im Rahmen ihres IHRA-Vorsitzes wäre dies für die Schweiz ein wichtiger und glaubwürdiger Schritt. „Das dunkle Kapitel des Völkermordes droht in Vergessenheit zu geraten, während viele Roma und Sinti heute in der Schweiz und Europa verstärkt Diskriminierung, Hassreden oder physischen Übergriffen ausgesetzt sind“, heisst es in der Motion von Martina Munz.

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