19. Dezember 2022

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Russland: Indigener Umweltaktivist Sergej Kechimov erneut verhaftet

Der indigene Aktivist Sergei Kechimov füttert seine Rentiere, nahe beim sibirischen Imlor-See. Er wehrt sich gegen die Ölförderung auf indigenem Gebiet und erfährt staatlich Repression und falsche Anschuldigungen. Foto: © Denis Sinyakov / Greenpeace

Der indigene Aktivist Sergei Kechimov füttert seine Rentiere, nahe beim sibirischen Imlor-See. Er wehrt sich gegen die Ölförderung auf indigenem Gebiet und erfährt staatlich Repression und falsche Anschuldigungen. Foto: © Denis Sinyakov / Greenpeace

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verurteilt die erneuten staatlichen Repressionen gegen Sergej Kechimov in Surgut im westsibirischen autonomen Bezirk Chanty-Mansijsk. Kechimov setzt sich seit Jahren für den Umweltschutz und den Erhalt des indigenen Lebensraums ein. Er gilt als der letzte „Hüter des heiligen Sees Imlor“, wo das Unternehmen Surgutneftegas die Ölvorkommen unter dem See fördert.

Als Umweltschützer, Menschenrechtsaktivist und indigener Schamane widersetzt sich Sergej Kechimov seit vielen Jahren gewaltsamen Umsiedlungsversuchen. Er ist der letzte der Gemeinschaft der Chanten, der beim Imlor-See geblieben ist. Weil er seit Jahren gegen die Ölförderung und die Umweltverschmutzung in der Nähe des Imlor Sees protestiert, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit Mitarbeitenden des Konzerns Surgutneftegas. Mitarbeiter des Konzerns rodeten Wälder, zerstörten Weiden, bauten Pipelines und vergifteten den für die Indigenen heiligen Imlosee. Damit zerstören sie nicht nur das Gebiet der Chanten und Mansen, sondern auch die Lebensweisen dieser indigenen Gemeinschaften. Dagegen wehrt sich Sergej Kechimov seit Jahren.

Am vergangenen Mittwochabend wurde Kechimov auf dem Heimweg von der Verkehrspolizei angehalten. Die Polizisten beschuldigten ihn, betrunken zu sein. Seine Frau erklärt jedoch, dass er überhaupt keinen Alkohol trinkt. Es kam zu einer Auseinandersetzung und schliesslich einer gewaltsamen Festnahme. Seitdem ist Kechimov in der Polizeistation des Dorfes Fedorowskij in Gewahrsam. Ihm wird die Ordnungswidrigkeit „Ungehorsam gegenüber einer rechtmässigen Anordnung eines Polizeibeamten“ vorgeworfen. Nur einen Tag vor seiner Verhaftung, am 13. Dezember, befand ein regionales Gericht Kechimov der „Androhung von Mord oder schwerer Gesundheitsschädigung“ für schuldig und verurteilte ihn zu sechs Monaten eingeschränkter Freiheit. Das Strafverfahren wurde im September 2021 eingeleitet, nach einem Konflikt mit Mitarbeitenden von Surgutneftegas. Im Jahr 2017 war Kechimov schon einmal nach demselben Paragraphen verurteilt worden, ebenfalls wegen einer Auseinandersetzung mit Mitarbeitenden des Ölkonzernes.

„Das Ziel ist klar: Die Behörden wollen Kechimov mittel- und langfristig zum Schweigen bringen“, sagt Regina Sonk, Referentin für indigene Völker bei der GfbV Deutschland. So sei der Vorwurf der „Ordnungswidrigkeit» ein Vorwand, um den Aktivisten weiter strafrechtlich verfolgen zu können. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine verschärft sich die Repression gegen indigene und andere Menschenrechtsaktivist:innen stetig.

Nachtrag: Am 20. Dezember war Sergej Kechimov wieder in Freiheit. Es ist aber wahrscheinlich, dass die strafrechtliche Verfolgung weitergeht. Kechimov droht eine Gefängnisstrafe.

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