Winterspiele verkommen zur Werbung für Putins repressiven Staat - GfbV

29 Okt 13

100 Tage bis zur Winterolympiade in Sotschi: Winterspiele verkommen zur Werbung für Putins repressiven Staat – Willkürmassnahmen gegen Zivilisten werden zunehmen

100 Tage vor Beginn der Winterolympiade in Sotschi geben der russische Präsident Wladimir Putin und der IOC-Präsident Thomas Bach am Mittwoch in Sotschi gemeinsam feierlich den «Startschuss» für den Endspurt der Vorbereitungen für das sportliche Grossereignis vom kommenden Februar. «Doch hier gibt es nicht viel zu feiern», warnt Sarah Reinke von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Deutschland.

«Die Sicherheitsvorkehrungen, die Überwachung der Sportler und der Besucher wird so dicht sein wie bei Antiterrormassnahmen in den nahen Kaukasusrepubliken Tschetschenien oder Dagestan. Die Berichterstattung wird schon seit Monaten streng kontrolliert. Putin will mit den Winterspielen seine Macht demonstrieren, da geht es weder um den olympischen Geist noch um den Sport», kritisiert die Menschenrechtsorganisation.

Unmittelbar vor den Winterspielen, so die Befürchtung vieler Menschen im Nordkaukasus, wird die Repression nochmals zunehmen. «Behörden und Politik werden den Kampf gegen den terroristischen Untergrund, bei dem oftmals Zivilisten Opfer staatlicher Gewalt werden, verstärkt führen», sagte die GUS-Referentin der GfbV, Sarah Reinke. Sie kritisierte, dass das IOC seit Monaten ein offenes Eintreten für die Menschenrechte verweigert. «So können die Winterspiele zur Blamage werden wie die olympischen Sommerspiele 2008 in China, die nur dem repressiven System aber nicht der Bevölkerung genutzt haben!»

Mehrmals hat die GfbV das IOC auf schwerwiegende Probleme im Zusammenhang mit dem Austragungsort Sotschi aufmerksam gemacht: Sotschi war im 19. Jahrhundert Schauplatz des blutigen letzten Kampfes der Tscherkessen gegen die russische Vorherrschaft. Die Tscherkessen unterlagen und wurden kollektiv aus ihrer Heimat vertrieben. Das war nach Meinung führender Historiker ein Genozidverbechen.

Heute leben die Nachfahren der Überlebenden über die ganze Welt verstreut. Eine politische Aufarbeitung dieser Kolonialverbrechen hat bisher nicht stattgefunden. Aus tscherkessischer Sicht stellt die Ausrichtung der Olympischen Spiele in Sotschi daher einen weiteren Akt der Provokation, der Verleugnung ihrer Geschichte und Kultur dar. Russland ignoriert die Bitte der Tscherkessen, dieser Verbrechen in angemessener Form zu gedenken und versucht gezielt tscherkessische Aktivisten einzuschüchtern.

Der Nordkaukasus ist laut neuestem Bericht der International Crisis Group vom 6. September 2013 die Region Europas, wo das Gewaltpotential am höchsten ist. Allein 2012 wurden dort 1225 Personen Opfer von Gewalt. Auch der Europarat kritisiert regelmässig Folter, Morde, Verschwindenlassen, willkürliche Verhaftungen, Gewalt gegen Frauen und andere Menschenrechtsverletzungen in der Region.

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