Fallbeispiel

Gold aus dem Amazonas - Indigene konfrontieren die Schweiz

Der Goldrausch im Amazonas führt zu abgeholzten Wäldern, vergifteten Flüssen und menschlichem Leid. Eine Rolle spielt dabei die Schweiz, denn ihr Goldgeschäft ist noch immer nicht sauber.

Goldabbau in geschützten und sensiblen Lebensräumen: Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch das indigene Territorium der Munduruku. Fotos: Thomaz Pedro / Greenpeace Goldabbau in geschützten und sensiblen Lebensräumen: Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch das indigene Territorium der Munduruku. Fotos: Thomaz Pedro / Greenpeace

Im brasilianischen Amazonas findet ein Gold-Boom statt: Der hohe Goldpreis, auch infolge der Corona-Pandemie lockt unzählige Goldschürfer:innen an – mit verheerenden Folgen für Mensch und Natur. Denn die Goldschürfer:innen roden den Wald, vergiften mit Quecksilber Flüsse und Fische und bringen Krankheiten und Kriminalität. An der Tragödie im brasilianischen Amazonas ist auch der Goldplatz Schweiz beteiligt. Denn hier werden gegen 70 Prozent des weltweiten Goldes gehandelt oder verarbeitet, und vier der weltweit grössten Raffinerien sind in der Schweiz ansässig. Recherchen der Journalisten Olivier Christe und Fernanda Wenzel zeigten, dass im Jahr 2021 25,4 Tonnen Gold im Wert von über 1,2 Milliarden US-Dollar aus Brasilien in die Schweiz gelangten: Damit steht die Schweiz nach Kanada an zweiter Stelle der brasilianischen Gold-Exporte.

Gemäss den Recherchen von Christe und Wenzel gelangten allein aus den beiden Amazonas-Städten Itaituba und Pedra Branca do Ampari in den Jahren 2020 und 2021 fast fünf Tonnen Gold in die Schweiz – ihre Spuren verlieren sich jedoch. «Mit diesem Gold gingen die Schweizer Händler ein grosses Risiko ein, mitverantwortlich für Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen zu werden», sagt Julia Büsser, Kampagnenleiterin bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Auch Investoren sind in die Tragödie im Amazonas involviert. Dies zeigt das Beispiel der Firma Konwave AG in Herisau, die in die kanadische Firma Belo Sun Mining investiert. Diese wiederum plant am Xingú-Fluss im Staat Pará den Bau der bisher grössten im Tagebau betriebenen Goldmine Brasiliens, nur wenige Kilometer entfernt von Indigenen Reservaten. Ein neuer Kurzbericht zeigt die Beziehungen der Goldplätze Schweiz und Brasilien auf.

Zum Bericht "Amazonas Gold"

 

Um sicherzustellen, dass der Schweizer Goldplatz nicht in Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung involviert ist, bräuchte es aus Sicht der GfbV verbindliche Sorgfaltsprüfungen und vollständige Transparenz darüber, woher das importierte Gold stammt. Auch Schweizer Investor:innen müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und Einfluss nehmen, dass die «freie, vorgängige und informierte Zustimmung» bei den Projekten eingehalten wird («Free, prior and informed consent» FPIC). Nach der Publikation des GfbV-Berichts «Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold?» verlangte die GfbV von den Zollbehörden, wegen anhaltender Missstände in der intransparenten Schweizer Goldbranche, Akteneinsicht zur Herkunft von Goldimporten. Die Raffinerien erhielten vor Bundesverwaltungsgericht und schliesslich 2023 vor Bundesgericht Recht ihre Importe geheim zu halten. Damit verpasst die Schweiz eine einzigartige Chance endlich Transparenz im Goldhandel zu schaffen.

Anfang Mai 2022 reiste eine Delegation mit Vertreter:innen der vom Goldabbau betroffenen Gemeinschaften aus dem brasilianischen Amazonas in die Schweiz, um die Akteure der Goldbranche und die Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam zu machen. Die Indigene Leaderin Maria Leusa Munduruku war ein Teil dieser Delegation. Nach dem Besuch veröffentlichten fünf grosse Goldraffinerien und die Schweizerische Vereinigung Edelmetallfabrikanten und -händler ein wegweisendes Statement: Sie verurteilten den illegalen Bergbau und sprachen sich dafür aus, dass Indigene und lokale Gemeinschaften bei Projekten Mitsprache erhalten müssen.

Schmutziges Amazonas-Gold: Bei ihrem Besuch Anfang Mai 2022 nahm die Indigenen-Leaderin Maria Leusa Munduruku die Schweiz in die Verantwortung.

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