Schweiz/Peru: Die GfbV begrüsst den Rückzug des Goldkonzerns Newmont Mining aus dem Conga-Projekt

20 Apr 16

Schweiz/Peru: Die GfbV begrüsst den Rückzug des Goldkonzerns Newmont Mining aus dem Conga-Projekt und fordert das Mitentscheidungsrecht der Lokalbevölkerung bei allen Rohstoffabbauprojekten

Newmont Mining Corp., das weltweit zweitgrösste Bergbauunternehmen, gibt aufgrund der jahrelang anhaltenden Proteste der lokalen Bevölkerung das auf 5 Billionen Dollar quotierte Gold- und Kupferprojekt Conga in der peruanischen Region Cajamarca auf. In seinem jährlichen Tätigkeitsbericht zuhanden der US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde erklärt das Bergbauunternehmen mit Sitz in Colorado, das Projekt Conga könne aufgrund sozialer Konflikte nicht umgesetzt werden. Die Gesellschaft für bedroht Völker (GfbV) begrüsst diesen Entscheid und weist auf die Gefahr des Scheiterns von Megaprojekten hin, die die Nichtkonsultation der Lokalbevölkerung mit sich bringt. Die GfbV fordert daher für alle geplanten Rohstoffprojekte das Mitentscheidungsrecht der Betroffenen. Valcambi, die Schweizer Raffinerie mit Sitz im Tessin, ist mit rund 70% die Hauptabnehmerin des Goldes von Yanacocha, der lokalen Tochterfirma von Newmont Mining. Die GfbV fordert Valcambi dringend auf, ihre Sorgfaltsprüfung beim Bezug von Gold zu verbessern.

Heute findet in Delaware (USA) die Aktionärsversammlung von Newmont Mining statt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker nimmt die Zusammenkunft zum Anlass, ihr Wohlwollen gegenüber dem richtungsweisenden Entscheid des Rohstoffunternehmens kundzutun. Schon am 18. Februar teilte CEO Gary Goldberg mit, dass der Konzern das Projekt Conga abstufe und aufgrund unabsehbarer Entwicklungen keine Aussagen für die nähere Zukunft mache. Dieser Beschluss wird im Jahresbericht zuhanden der US-Börsenaufsichtsbehörde, die dieser Tage eingereicht wurde, bestätigt. Die meisten Analysten interpretieren dies als die definitive Einstellung des Projekts Conga.

Die GfbV appellierte mehrfach an Newmont Mining/Yanacocha aufgrund der massiven Konflikte vor Ort, die auch Todesopfer forderten, die Menschenrechte zu beachten. Sie kommt zum Schluss, dass sich bei Einhaltung des menschenrechtlichen Rahmens, der sich aus verschiedenen internationalen Normen zum Schutz der Rechte indigener Völker und der Menschenrechte ableitet, die dramatische Zuspitzung der Situation vor Ort und die finanziellen Verluste hätten vermeiden lassen können. Newmont Mining hat laut dem Nachhaltigkeitsbericht von Yanacocha im Jahr 2011 ca. 739 Millionen Dollar in das Conga-Projekt investiert. Bei der Rohstoffgewinnung ist die Bestimmung von zentraler Bedeutung, die besagt, dass indigene Völker frei über ihre natürlichen Ressourcen verfügen. Daraus ergibt sich die Pflicht, dass für jegliches Projekt, das in die Lebenswelt indigener Völker eingreift, vorgängig das Einverständnis der Betroffenen einzuholen ist. Gewinnt ein Projekt die Zustimmung der Bevölkerung nicht, läuft es Gefahr, dass es aufgrund massiver Proteste – wie im Fall des Conga-Projekts – nicht umgesetzt werden kann.

Die GfbV begrüsst zwar den Entscheid der Mutterfirma Newmont Mining, das Conga-Projekt aufzugeben, verlangt jedoch von der Aktionärsversammlung und vom Management konkrete Massnahmen, damit die begangenen Menschenrechtsverletzungen aufgeklärt, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und den Opfern Wiedergutmachung geleistet wird. Künftige Rohstoffprojekte sollen erst nach dem Einholen des Einverständnisses der Lokalbevölkerung realisiert werden.

Aufgrund der zentralen Rolle der Tessiner Goldraffinerie Valcambi, die rund 70 % des Goldes von Yanacocha verarbeitet, ruft die GfbV die Raffinerie auf, eine seriöse Sorgfaltsprüfung bezüglich der Goldlieferanten durchzuführen. Beim Verdacht auf Verletzungen der Menschenrechte am Produktionsort und entlang der Lieferkette muss Valcambi sofort intervenieren und den Bezug von Gold stoppen, falls die gängigen Standards für Unternehmensverantwortung nicht eingehalten werden.

Zitat von Newmont Mining an die GfbV vom 19. April 2015:
“Newmont will not proceed with the full development of Conga without social acceptance, solid project economics and potentially another partner to help defray costs and risk; it is currently difficult to predict when or whether such events may occur. Under the current social and political environment, the Company does not anticipate being able to develop Conga for the foreseeable future. The continued delay and evaluation of other alternatives may result in a potential accounting impairment or further reclassification of Mineralized Material. There is no exploration and/or development of new reserves as development of the project is on hold for the foreseeable future.“

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