Notfall Amazonas – Stopp der Industrialisierung des Amazonas

10 Dez 12

Notfall Amazonas – Stopp der Industrialisierung des Amazonas

Die Regierung und das Parlament Brasiliens beabsichtigen, das Amazonasbecken für den Rohstoffabbau und die Energiegewinnung zu öffnen – auch die Indigenenschutzgebiete. Das hätte dramatische Folgen für die dort lebenden indigenen Gemeinschaften. Am Tag der Menschenrechte haben deshalb die Kayapo-Häuptlinge Raoni und Megaron die internationale Völkergemeinschaft um Unterstützung gebeten. Die Nichtregierungsorganisationen Planète Amazone und Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) rufen die Regierung Brasiliens dazu auf, die brasilianische Verfassung und die UNO-Deklaration über die Rechte indigener Völker umzusetzen.

Seit mehr als 20 Jahren kämpft der Kayapo-Häuptling Raoni für eine respektvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen im Amazonas. Die Erfolge dieses Kampfes – wie beispielsweise die Demarkation als Indigenenschutzgebiete von rund 20 Prozent der Fläche Amazoniens – sind durch verschiedene, umstrittene Staudamm-Projekte (Belo Monte, Teles Pires) sowie intensive Landwirtschaft im Amazonasbecken ernsthaft in Gefahr. Nun wollen die brasilianische Regierung und das brasilianische Parlament auch die Indigenenschutzgebiete für den Rohstoffabbau und für Staudammprojekte öffnen, da riesige Vorräte an Rohstoffen wie Kupfer, Zinn, Eisen, Bauxit, Gold und andere Mineralien entdeckt wurden und abgebaut werden sollen. In einzelnen Indigenenschutzgebieten liegen bereits Anträge für Abbau-Konzessionen vor, welche praktisch die gesamte Fläche des Schutzgebietes ausmachen.

Werden die Indigenenschutzgebiete für den Ressourcenabbau geöffnet, sind die dort lebenden indigenen Gemeinschaften ernsthaft in Gefahr, so beispielsweise die Kayapo oder die Yanomami. Zudem hätte die Industrialisierung des Amazonas dramatische Folgen für das Klima und die Biodiversität. Die Indigenen wehren sich deshalb entschieden gegen die industrielle Ausbeutung ihres Lebensraumes. Dem Bau des Belo Monte-Staudammes haben die betroffenen Indigenen nie zugestimmt. Die Proteste gegen den Staudamm, mit dessen Bau bereits begonnen wurde, weiten sich deshalb immer weiter aus. Heute findet beispielsweise der internationale Aktionstag gegen den Staudamm unter dem Slogan «Justice now!» statt.

Angesichts der dramatischen Situation haben heute die beiden Kayapo-Häuptlinge Raoni und Megaron Regierungschefs verschiedener Länder sowie die Vereinten Nationen um Unterstützung gebeten. Diese sollen die brasilianische Regierung dazu bringen, alle wirtschaftlichen Entwicklungsprojekte im Amazonas solange auszusetzen, bis die Rechte der betroffenen indigenen Bevölkerungen, insbesondere die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker, eingehalten werden. Zudem rufen die beiden Kayapo-Häuptlinge die Global Leader dazu auf, Massnahmen gegen die Abholzung des Waldes und die Zerstörung der Biodiversität des Amazonas zu ergreifen. Die indigenen Gemeinschaften brauchen internationale Unterstützung, um ihre Schutzgebiete zu verteidigen. Zudem müssen indigene Gemeinschaften, welche nicht in anerkannten Schutzgebieten leben, in ihren Bestrebungen unterstützt werden, ihr Land durch Demarkierungen zu schützen.

Während ihres Aufenthaltes in der Schweiz trifft die Kayapo-Delegation mehrere Repräsentantinnen und Repräsentanten der Vereinten Nationen, darunter die Hochkommissarin für Menschenrechte Navi Pillay. Zudem steht heute Abend ein Treffen mit offiziellen Vertreterinnen und Vertretern der Schweiz auf dem Programm.

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