Nach der Beschlagnahmung von fast 100 Kilogramm Gold – GfbV

19 Apr 18

Nach der Beschlagnahmung von fast 100 Kilogramm Gold von Minerales del Sur fordert die GfbV, dass die Goldraffinerie Metalor die Geschäftsbeziehung mit ihrer grössten peruanischen Lieferantin suspendiert

Die Nationale Oberaufsicht für Zoll und Steuern in Peru (SUNAT) hat fast 100 Kilogramm Gold der Exportfirma Minerales del Sur beschlagnahmt. Das Gold hätte an die Schweizer Raffinerie Metalor geliefert werden sollen. Wie peruanische Medien berichten, ist der mutmassliche Erwerb von Gold aus verdächtiger Herkunft durch Minerales del Sur Hintergrund der Beschlagnahmung. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat  zuletzt in ihrem Bericht «Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold?» vom 22. März 2018 ähnliche Vorwürfe präsentiert. Aufgrund der jüngsten Ereignisse fordert die GfbV Metalor auf, die Goldbezüge von Minerales del Sur sofort zu suspendieren, bis Minerales del Sur garantieren kann, dass sie nur Gold aus sauberen Quellen liefert. Die GfbV erwartet zudem vom Bundesrat, in seinem voraussichtlich im Sommer 2018 erscheinenden Goldbericht konkrete Massnahmen zur Förderung der Transparenz und Sorgfaltspflicht im Goldhandel zu präsentieren.

Wenige Tage nach der Publikation «Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold?» durch die GfbV beschlagnahmte die peruanische Zoll- und Steuerbehörde gemäss den peruanischen Medien La República und Ojo Público gegen 100 kg Gold, welches mutmasslich aus verdächtiger Herkunft stammt. Es ist die grösste Goldbeschlagnahmung, seit die Behörden seit Ende 2013 verstärkt gegen illegales Goldschürfen vorgehen. Denn in Peru, dem sechstgrössten Goldproduzenten weltweit, breitet sich der illegale Kleinbergbau seit über zwei Jahrzehnten rasant aus. Die Folgen sind Umweltverschmutzung, Rodung, prekäre Arbeitsbedingungen der Mineure, Menschenhandel und illegale Goldgeschäfte. Eines der grössten Gebiete für Gold-Kleinbergbau ist die Provinz Madre de Dios im Amazonas, wo wegen der hohen Quecksilberverschmutzung durch den Goldabbau 2016 der Umweltnotstand ausgerufen werden musste. Gemäss des peruanischen Umweltministeriums ist praktisch der gesamte Goldabbau in Madre de Dios illegal. Keiner der dort aktiven Mineure hat aktuell den Formalisierungsprozess abgeschlossen. Eine andere Region mit zerstörerischem Goldabbau ist die Provinz Puno, insbesondere die sehr hoch gelegene andine Region La Rinconada, wo Goldwäscher unter unmenschlichen Bedingungen Gold abbauen.

Während die Raffinerie Metalor in der Vergangenheit ihre Geschäftsbeziehungen zu einigen in den Fokus der Behörden geratenen peruanischen Exportfirmen abbrach, ist Minerales del Sur für Metalor bis heute die Hauptlieferantin von Gold aus Peru. Bereits um das Jahr 2000 hatten die SUNAT und die peruanische Staatsanwaltschaft gegen Minerales del Sur und dessen Haupteigentümer Francisco Quintano Méndez (ehem. Francisco Quispe Mamani) wegen Steuerhinterziehung und Handel mit illegalem Gold ermittelt.

Die GfbV machte Metalor bereits im Jahr 2015 und zuletzt in ihrem Bericht vom März 2018 auf die Probleme beim Goldabbau in den Provinzen Madre de Dios und Puno aufmerksam und wies auf problematische Aktivitäten von Minerales del Sur hin. Metalor wies die Vorwürfe in mehreren Medienmitteilungen zurück und verwies auf die eigene Sorgfaltsprüfung sowie auf die in Peru geltenden Kontrollen. Metalor bezog weiterhin das gesamte Gold, das Minerales del Sur exportierte.

Konfiszierung nach GfbV-Recherche

Am 27. März, also fünf Tage nach der Veröffentlichung der vertieften Recherche der GfbV mit dem peruanischen Journalisten Oscar Castilla Contreras, konfiszierte die SUNAT 100 Kilogramm Gold von Minerales del Sur. Wie der GfbV-Bericht ergab, wechselte der Haupteigentümer von Minerales del Sur zu Beginn der Jahrtausendwende, kurz nach den Ermittlungen durch die SUNAT und die peruanische Staatsanwaltschaft gegen ihn, seine beiden Nachnamen von Quispe Mamani in Quintano Méndez. Die Recherchen ergaben zudem, dass Quintano Méndez vier Konzessionen in Huepetuhe besitzt, einem Hotspot des illegalen Goldabbaus in Madre de Dios. Drei davon erfüllen die nationalen Umweltstandards nicht und eine dieser Konzessionen überschneidet sich mit der Pufferzone des indigenen Schutzgebietes Reserva comunal indígena Amarakaeri. Weiter zeigen die Recherchen, dass Minerales del Sur seit 2014 pro Jahr mehr Gold in die Schweiz exportierte, als in der Provinz Puno offiziell abgebaut wird. Minerales del Sur ist offiziell nur berechtigt, in Puno Gold aufzukaufen, besitzt aber auch eine Filiale in Madre de Dios.

Aufgrund der Konfiszierung hat die GfbV eine aktualisierte Version (Stand April 2018) ihres Goldberichts «Drehscheibe Schweiz für risikobehaftetes Gold?» veröffentlicht.
Die GfbV fordert von Metalor die sofortige Suspendierung der Goldbezüge von Minerales del Sur. Weiter soll Metalor die Goldproduzenten offenlegen und die Sorgfaltsprüfung verschärfen, um künftig Geschäftsbeziehungen zu unseriösen Firmen ausschliessen zu können.

In Anbetracht des im Sommer zu erwartenden Berichts des Bundesrates zu den Risiken im Goldgeschäft erwartet die GfbV, dass die Schweizer Regierung und Politik sich für mehr Transparenz im Goldhandel – insbesondere die Offenlegung von Lieferant und Empfängerfirma – und die Einführung einer gesetzlich verankerten Sorgfaltspflicht mit entsprechenden Sanktionen bei Nichteinhaltung einsetzen.

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