Menschenrechtsaktivistinnen fordern von Schweizer Goldraffinerie Valcambi: Stoppt die Gewalt! – Gesellschaft für bedrohte Völker

16 Mai 14

Menschenrechtsaktivistinnen fordern von Schweizer Goldraffinerie Valcambi: Stoppt die Gewalt!

Die grösste peruanische Goldproduzentin Minera Yanachocha plant den Bau einer weiteren Mine. Entstehen soll die Mine Conga auf einem Grundstück, das Teil des Anwesens der peruanischen Menschenrechtsaktivistin Máxima Acuña de Chaupe ist. Die Aktivistin fürchtet nun um ihr eigenes Grundstück. Zusammen mit ihrer Tochter Ysidora kämpft sie gegen die Vertreibung von ihrem Anwesen. Der Bau der Mine Conga hat auch massive Eingriffe auf die Umwelt zur Folge, und vier Bergseen werden verschwinden. Das Einverständnis der betroffenen Bevölkerung wurde nie eingeholt.

Seit Herbst 2011 nehmen die Konflikte um die Mine Conga zu; im Juli 2012 starben bei Protesten fünf Personen. Kurz darauf besetzten Dutzende von Polizisten ohne richterliche Genehmigung das Landgut von Máxima Acuña – Ende Januar 2014 erhielt sie Morddrohungen. «Ich fürchte um mein Leben, um das Leben meines Mannes und meiner Kinder sowie die Leben der Personen in meiner Gemeinde, welche uns und unser Wasser verteidigen», berichtet sie.

Schweizer Goldraffinerie mitverantwortlich

Máxima Acuña lässt sich nicht einschüchtern. Begleitet von der Nichtregierungsorganisation Latin American Mining Monitoring Programme (LAMMP) informiert sie die Menschenrechtsgremien bei der UNO in Genf über die massiven Druckversuche. Heute ist Maxima Acuña in Bern, um auf die engen Verbindungen in die Schweiz hinzuweisen. Denn die weitaus grösste Käuferin des Goldes der Minera Yanacocha ist die Tessiner Raffinerie Valcambi: In den letzten Jahren kaufte Valcambi zwischen 60% und 70% des gesamten exportierten Yanacochagoldes. Alleine im ersten Quartal dieses Jahres importierte das Tessiner Unternehmen 5,9 Tonnen Gold im Wert von 157 Millionen US $ von Yanacocha. Sowohl Minera Yanacocha als auch Valcambi werden vom amerikanischen Goldkonzern Newmont Mining kontrolliert.

Recherchen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zeigen: Die Goldproduktion der alten Yanacocha-Mine geht deutlich zurück – die Mine braucht einen neuen Standort. LAMMP und die GfbV befürchten daher, dass Minera Yanacocha den Bau der Mine Conga nun erst recht – auch gegen den Willen grosser Teile der Bevölkerung – durchzusetzen versucht.

Polizeigewalt gegen Bevölkerung

Die Macht der Akteure ist in Peru sehr ungleich verteilt. Im Dezember letzten Jahres zeigte die GfbV zusammen mit peruanischen Organisationen auf, wie Rohstofffirmen mit meist geheim gehaltenen Verträgen jederzeit Einsätze der Nationalpolizei gegen die Bevölkerung beantragen können. Diese Rohstofffirmen unterstützen die Einsätze finanziell, materiell und logistisch. Staatliche und wirtschaftliche Interessen verbünden sich damit gegen die Interessen der lokalen Bevölkerung, eine Lösung des Konflikts rückt in weite Ferne.

Máxima und Ysidora Acuña sowie die GfbV und LAMMP fordern die Schweizer Raffinerie Valcambi auf, sich bei ihrer Schwesterfirma Yanacocha für eine friedliche Lösung des Konflikts einzusetzen. Valcambi soll Einfluss nehmen, damit Yanacocha das Mitbestimmungsrecht der Lokalbevölkerung respektiert. Ausserdem wird das Schweizer Unternehmen aufgefordert, eine Sorgfaltsprüfung aller Aktivitäten durchzuführen und die Namen sämtlicher Rohgoldlieferanten zu publizieren. Denn die Firmen haben es in der Hand, ob einer der blutigsten Rohstoffkonflikte Perus friedlich gelöst wird oder weiter eskaliert.

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