Global Compact Veranstaltung: GfbV kritisiert Metalor

12 Sep 18

Global Compact-Veranstaltung: GfbV kritisiert Goldraffinerie Metalor

Heute nimmt José Camino, Direktor der Goldraffinerie Metalor, an einer Veranstaltung des Global Compact teil. Er wird dort über «Beispiele bewährter Verfahren für eine nachhaltige Lieferkette» referieren. Doch bei Metalors grösstem Goldlieferanten in Peru, Minerales del Sur, konfiszierte die peruanische Zollbehörde Ende März 91 Kilogramm Gold, da der Verdacht besteht, dass ein Teil dieses Gold via Geldwäscherei aus illegalem Goldabbau stammen könnte. Das Gold ist noch nicht freigegeben, im Gegenteil: Nun untersucht die peruanische Staatsanwaltschaft die Herkunft des Goldes. Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordert Metalor auf, ihre Sorgfaltsprüfung zu verschärfen, den Bezug von zweifelhaftem Gold zu stoppen und ihre Goldlieferkette offen zu legen.

«Wir fragen uns, warum das Global Compact Network Switzerland José Camino von Metalor eine Plattform als verantwortungsvolles Unternehmen gibt», sagt Christoph Wiedmer, Co-Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Das Network möchte in der Schweiz die zehn Prinzipien des Global Compact der UNO für die Firmenverantwortung (Corporate Social Responsibility) durchsetzen. Die Kontrolle der Handelslieferkette spielt dabei eine zentrale Rolle. Metalor ist in der Vergangenheit mehrfach hinsichtlich ihres Bezuges von Gold in Kritik geraten. Zur Zeit hat sich der Fall eines Lieferanten in Peru besonders zugespitzt.

Zwischen dem Jahre 2000 und 2018, so schätzen die peruanischen Behörden, habe Metalor vom peruanischen Goldexporteur Minerales del Sur insgesamt rund 100 Tonnen Gold im Wert von etwa 3,5 Milliarden Dollar bezogen. Diese Behörden vermuten, dass sich darunter illegales Gold aus den Problemzonen Madre de Dios und Puno befand.

Problematische Zulieferfirma Minerales del Sur

Die GfbV hatte bereits im Herbst 2015 Metalor auf die problematischen Umstände im Zusammenhang mit Minerales del Sur hingewiesen und aufgezeigt, dass Metalor in der Vergangenheit illegales Gold bezogen hatte. In jener Zeit konfiszierten die Zollbehörden mehrere Goldexporte zur Abklärung der Herkunft, wovon auch Lieferanten von Metalor betroffen waren. Dies führte gar zu einem Rechtshilfebegehren des Staates Peru an die Schweiz in Sachen Metalor. Im März dieses Jahres publizierte die GfbV einen weiteren Bericht über die Rolle von Metalor insbesondere in Bezug auf fragwürdige Machenschaften des Goldexporteurs Minerales del Sur. Metalor bestritt in der Folge sämtliche Vorwürfe (Metalor fully denies the allegations of the NGO STP in its report) und drohte mit juristischen Schritten gegen die GfbV. Fünf Tage später beschlagnahmte die peruanische Zollbehörde 91 Kilogramm Gold von Minerales del Sur mit Bestimmung Metalor. Metalor reagierte am 4. April 2018 mit der Aussage, dass sie ihr Geschäft in Peru weiterführen würden (Metalor activity in Peru does continue business as usual).

Ende Juli stellte nun Metalor eine Mitteilung auf ihre Homepage, in der sie darauf hinwies, dass sich die Untersuchungen gegen ihren Lieferanten in Peru in die Länge ziehen. Metalor informierte, dass sie im März die Geschäftsbeziehungen mit peruanischen Goldaufkäufern und Goldsammlern einstellten (In light of the overall situation and till further notice, Metalor has decided on a precautionary basis since March 2018 to put on hold any business relationship with collectors/aggregators in Peru). Nachfragen seitens GfbV, was mit collectors/aggregators in Peru gemeint ist, blieben unbeantwortet. Die GfbV verfügt über Belege, die zeigen, dass Metalor weiterhin Gold aus Peru bezieht.

Die GfbV fordert Metalor auf, eine robuste Sorgfaltsprüfung bezüglich ihrer Goldlieferanten einzuführen, die den Bezug von dubiosem Gold ausschliesst und ihr Geschäftsgebaren offen zu legen, indem unter anderem die Namen der Goldproduzenten offengelegt werden. «Nur so erhält die goldverarbeitende Industrie ausreichende Gewissheit, sauberes Gold zu beziehen», betont GfbV Co-Direktor Christoph Wiedmer.

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