BaselWorld: «Stop dirty gold!» – Gesellschaft für bedrohte Völker

25 Apr 13

BaselWorld: «Stop dirty gold!»

Heute, am Tag der Eröffnung der «BaselWorld», fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Schmuck- und Uhrenproduzenten auf, künftig kein Gold zu verwenden, bei dessen Abbau die Menschenrechte massiv verletzt und die Umwelt stark verschmutzt werden. Exemplarisch präsentiert die GfbV zusammen mit der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) Informationen über Schweizer Firmen, die unter anderem aus umstrittenen Gebieten in Peru und Kolumbien Gold importieren.

Anlässlich der Eröffnung der BaselWorld wird darauf Aufmerksam gemacht, dass in Schmuck und Uhren auch «schmutziges» Gold verwendet wird – also Gold, bei dessen Abbau die Menschenrechte verletzt und die Umwelt verschmutzt werden. Die GfbV fordert die an der BaselWorld vertretenen Produzenten der Schmuck- und Uhrenindustrie auf, künftig nur noch «sauberes» Gold zu verarbeiten. Dazu braucht es als erstes mehr Transparenz.

Schweiz spielt zentrale Rolle im Goldbusiness

Schmutziges Gold landet auch in der Schweiz. Denn die Schweiz spielt im internationalen Goldgeschäft eine zentrale Rolle. Vier der neun weltweit grössten Raffinerien befinden sich in der Schweiz. Rund ein Drittel des weltweit geförderten Goldes wird in einer der Schweizer Gold-Raffinerien verarbeitet.

Exemplarisch für die problematischen Produktionsbedingungen veröffentlichen die GfbV und die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ask!) heute Informationen zu drei Schweizer Raffinerien und zu Goldimporten aus Peru respektive Kolumbien. Die Schweizer Raffinerien importieren und verarbeiten unter anderem Gold aus Regionen, in denen Gewalt ausgeübt, Menschenrechte verletzt und die Umwelt geschädigt werden.

Gold aus der umstrittenen peruanischen Mine Yanacocha

So verarbeitet beispielsweise die Tessiner Goldraffinerie Valcambi SA Gold aus der peruanischen Mine Yanacocha. Dort kam es letzten Sommer bei Protesten gegen eine Minenerweiterung zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und Demonstrierenden, bei denen fünf Personen starben. Wie sich nun zeigt, könnte die peruanische Polizei wohl im Auftrag der Minenbetreiberin Minera Yanacocha gehandelt haben – diese gehört wie die Tessiner Raffinerie Valcambi SA zum US-amerikanischen Newmont-Konzern gehört: Zwischen der peruanischen Polizei und Minera Yanacocha besteht ein Vertrag, mit welchem die «Erbringung von ausserordentlichen zusätzlichen Dienstleistungen» durch die Polizei und deren finanziellen Entschädigung geregelt sind. Dieser Vertrag liegt der GfbV vor.

Schmutziges Gold aus Kolumbien

Metalor Technologies, Valcambi SA und Argor Heraeus importieren Gold vom kolumbianischen Bergbauunternehmen Mineros S.A. im Departement Antioquia. Die kolumbianische Menschenrechtsorganisation CALP konnte anlässlich einer Beobachtungsmission Zeugenaussagen über gravierende Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden dokumentieren. So machen die Zeugen geltend, dass Mineros S.A. die lokalen (Umwelt-)Behörden kooptiert hat und die Armee beim Schutz der Installationen von Mineros S.A. schwere Menschenrechtsverletzungen begeht. Im Umfeld von Bergbaukonzessionen von Mineros S.A. kam es auch zu Vertreibungen. Ausserdem gibt es grosse Umweltbelastungen entlang der Flüsse; Mineros S.A. betreibt in ehemals geschützten Waldgebieten Bergbau.

Die GfbV und die ask! fordern die Schmuck- und Uhrenhersteller sowie die Schweizer Goldraffinerien auf, folgende Schritte in Richtung sauberes Gold zu unternehmen:

  1. Schaffung von Transparenz und Massnahmen, um die Rückverfolgbarkeit des Goldes zu gewährleisten.
  2. Verbesserung der Sorgfaltspflicht der Produzenten, Raffinerien und Verarbeiter.
  3. Suspendierung des Kaufs und der Verwendung von Gold, wenn sich herausstellt, dass es aus Abbaugebieten stammt, wo die Menschenrechte massiv verletzt werden und/oder die Umwelt geschädigt wird und keine keine Massnahmen ergriffen werden, um die Probleme zu lösen.
  4. Förderung und Kauf von Gold aus Abbaugebieten, wo das Mitbestimmungsrecht der Lokalbevölkerung respektiert wird und keine nachhaltigen Umweltschäden entstehen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker und die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien haben in sogenannten «Briefings» Informationen zu Schweizer Goldraffinerien und zu den Bedingungen vor Ort zusammengestellt. Die Briefings können Sie auf den Websites der beiden Organisationen herunterladen.

*) Gemeinsame Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker GfbV und der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien ask!

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