25 Jahre nach dem Genozid von Srebrenica (Bosnien)

29 Jun 20

25 Jahre nach dem Genozid von Srebrenica: GfbV-Dokumentation über Traumata der Genozid-Überlebenden

Am 11. Juli 2020 jährt sich der Völkermord von Srebrenica zum 25. Mal. Zu diesem Anlass veröffentlicht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Deutschland heute die Dokumentation „Srebrenica: 25 Jahre nach dem Genozid sind Kinder und Frauen marginalisiert und noch einmal traumatisiert“. Sie zeichnet ein Vierteljahrhundert des Leidens nach, das die Überlebenden seit dem Jahr 1995 erlitten haben. Sie behandelt das Trauma der betroffenen Generationen, die Leugnung des Genozids, die Vernachlässigung des westlichen Balkans durch die internationale Staatengemeinschaft und auch die anhaltende Zurückhaltung der Vereinten Nationen, sich ihren eigenen Defiziten zu stellen.

„Mit dieser Dokumentation gibt die GfbV den Überlebenden des Völkermordes eine Stimme“, erklärt Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter der GfbV Schweiz. „Die Frauen und Kinder von Srebrenica, die ihre Väter, Ehemänner, Brüder und Söhne verloren haben, berichten uns und der Welt von ihren anhaltenden Traumata. Und sie erinnern uns an die historische Verantwortung, die daraus für uns alle erwächst.“ Neben den Betroffenen äussern sich renommierte Fachleute aus der Genozid-Forschung, dem Völker- und Menschenrecht und der Psychologie, die das Geschehen analysieren und einordnen. Auch Angelina Jolie als Sonderbotschafterin für das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge kommt zu Wort.

„Srebrenica ist auch ein Beispiel dafür, wie die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen vor und während des Völkermordes 1995 tragische Fehler gemacht haben“, erinnert Christoph Wiedmer. „Sie haben viel zu spät und dann unzureichend auf den Völkermord reagiert. 25 Jahre danach herrscht oft Ignoranz gegenüber den Problemen der Nachkriegsgeneration. Und auch die Leugnung dieses schrecklichen Genozids ist in weiten Teilen des ehemaligen Jugoslawien und weit darüber hinaus salonfähig geworden.“

Hintergrund

Nach einer dreieinhalbjährigen Besatzung fiel im Juli 1995 die eingekesselte ostbosnische Enklave und damalige UN-Schutzzone nach einer serbischen Grossoffensive in die Hände des serbischen Generals Ratko Mladić.  Bei den Massenerschiessungen unter seinem Kommando und unter dem Befehl des Serbenführers Radovan Karadžić wurden mindestens 8.372 Jungen und Männer sowie 571 Frauen getötet. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilte die beiden Verantwortlichen 2017 und 2019 zu lebenslänglicher Haftstrafen.

Der Krieg und der Genozid in Bosnien waren in den 1990er Jahren angesichts der dramatischen Menschenrechtslage auch für die GfbV Schweiz die wichtigste Kampagne.

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