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Gesellschaft für bedrohte Völker

Factsheet Bosniaken

Siedlungsgebiet:
 
Bosnien-Herzegowina und in  Staaten, die Teil des ehemaligen Jugoslawiens waren.
Bevölkerung:
 
Ca. 3 Mio., davon 2,2 Mio. in Bosnien-Herzegowina (Anteil: ca. 48%)
Sprache: Bosnisch
Religion: Islam
Diaspora:


 
Montenegro: 53‘800 (Anteil: ca. 8%)
Serbien: 157‘500 (Anteil: ca. 2%)
Auch in Europa und den USA. In der Schweiz leben ungefähr 39‘000 Bosniaken.


Geschichte
Der Bosnien-Krieg (1992-1995) forderte mindestens 100‘000 Opfer, wovon 66% aller Getöteten der bosniakischen Minderheit angehörten. Bei den 40‘000 zivilen Opfern ist dieser Anteil noch grösser: 83% von ihnen waren Bosniaken.

Die Aufarbeitung des Bosnien-Krieges durch Gerichte und Historikerinnen und Historiker erbrachte inzwischen viele gesicherte Erkenntnisse über die planmässigen Verbrechen der serbischen Truppen an der bosniakischen Zivilbevölkerung. Alleine im Juli 1995, als serbische Aggressoren die UNO-Enklave Srebrenica einkesselten und überrannten, wurden mehr als 8‘000 bosniakische Männer und Knaben brutal massakriert.

Heute ist bekannt, dass die serbische Armee während des Bosnien-Krieges über hundert Konzentrations-, Internierungs- und Vergewaltigungslager errichtet hatte. Folterungen, Vergewaltigungen und Massenerschiessungen gehörten zur Tagesordnung. Die Zivilbevölkerung war diesen Greueltaten schutzlos ausgeliefert.

Menschenrechtslage

Angehörige der bosniakischen Minderheit, die während des Krieges flohen und nun in ihre Heimatdörfer nach Bosnien-Herzegowina zurückkehren, sind mit einer äusserst schwierigen Ausgangslage konfrontiert. Ihre Heimatdörfer, die vor dem Krieg mehrheitlich bosniakisch waren, liegen heute teilweise in der serbisch dominierten Republika Srpska. Dort werden Bosniaken noch immer diskriminiert und bleiben von Übergriffen nicht verschont. Es werden zum Beispiel Fenster von Moscheen eingeschlagen, Friedhöfe geschändet oder Häuser mit Drohungen beschmiert.

Da die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Rückkehrerinnen und Rückkehrer äusserst eingeschränkt sind, leben viele von der Bewirtschaftung ihres vor dem Krieg erworbenen Landes und wohnen deshalb oft in abgelegenen Dörfern, die teilweise über kein fliessend Wasser und Strom verfügen. Auch 15 Jahre nach Kriegsende suchen zahlreiche Bosniaken nach den Überresten ihrer Angehörigen, was die Trauerarbeit erschwert.

Die Situation der Betroffenen wird durch die weitverbreitete Straflosigkeit in Bosnien-Herzegowina zusätzlich verschärft. Zahlreiche Kriegsverbrecher sind weiterhin auf freiem Fuss und üben oft sogar wichtige Funktionen in der Stadtverwaltung aus.

Im Sandschak im Südwesten Serbiens, bzw. im Nordosten Montenegros unterscheidet sich die Situation der Bosniaken nach Staatsgebiet: Während die Bosniaken im montenegrinischen Teil an den demokratischen Prozessen des Landes teilnehmen können und in der Regierung – auch wenn unzureichend – vertreten sind, werden sie in serbischen Gebieten diskriminiert. Geplante Reformen, die den Bosniaken mehr Rechte zusichern sollten, werden nicht umgesetzt. Bosniaken in Serbien werden zunehmend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.


Forderungen der GfbV
  • Systematische und effektive Unterstützung von bosniakischen Rückkehrerinnen und Rückkehrern, insbesondere in der Republika Srpska.
  • Bestrafung aller Kriegsverbrecher durch internationale und nationale Gerichte.
  • Anerkennung von Minderheitenrechten für die in in der serbischen Republika Srpska lebenden Bosniaken.
  • Exhumierung von Massengräbern und Ermöglichung individueller Bestattungen.


Bosniaken auf einer größeren Karte anzeigen


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