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Gesellschaft für bedrohte Völker

Factsheet Armenier

Siedlungsgebiet:  zwischen der Türkei und dem Südkaukasus
Bevölkerung:
 
3,8 Mio. in Armenien, 1 Mio. in der Türkei, (über 10 Mio. in der Diaspora)
Sprache: Armenisch   
Religion: Christen, Armenisch-Apostolische Kirche
Diaspora:



 
weltweit über 10 Mio., seit dem Völkermord vor allem in Russland (2,2 Mio.), USA (1,4 Mio.), Argentinien (130‘000), Frankreich (450‘000), Libanon (234‘000), schon seit Jahrhunderten im Iran (80‘000) und Georgien (460‘000). In der Schweiz leben rund 5000 Armenier.
 

Geschichte:

Während Jahrhunderten hatten die Armenier als christliche Minderheit unter den Muslimen des Osmanischen Reiches gelebt, vor allem in Konstantinopel und im Osten der heutigen Türkei. 1908 putschten sich die nationalistischen Jungtürken an die Macht. Sie planten in rassistischer Manier ein Grossreich, in dem nur Türken und keine „Ungläubigen“ mehr leben sollten. Bis heute gilt der 24. April 1915 als eigentlicher Beginn der systematischen und organisierten Vernichtung der armenischen Bevölkerung und wird deshalb von den Armeniern auf der ganzen Welt als Gedenktag begangen. Die in Konstantinopel konzentrierte geistige und politische Elite der Armenier wurde verhaftet, weil diese angeblich einen Umsturz plante. Dabei wurden mehr als 2000 Personen deportiert und zu Tode gefoltert. Ab Mai 1915 erfolgten ähnliche Massenfestnahmen, Folterungen und Hinrichtungen der örtlichen armenischen Elite in fast allen grösseren und kleineren Städten des Landes. Sodann folgte im Schatten des Ersten Weltkrieges die Vernichtung der armenischen Zivilbevölkerung. Bei Massakern, Zwangsdeportationen und in Konzentrationslagern kamen zwischen 1915 und 1918 kamen rund 1,5 Mio. Armenierinnen und Armenier um. Bei einer Vorkriegsbevölkerung von 2,5 Mio. Armenierinnen und Armenier im Osmanischen Reich entspricht dies etwa zwei Dritteln der armenischen Bevölkerung. Nach dem Sieg der Alliierten gab es gegen führende Funktionäre der jungtürkischen Partei Ittihad und gegen Offiziere der Armee. Diese endeten für siebzehn Angeklagte mit Todesurteilen. Es konnten jedoch nur drei Urteile vollstreckt werden, da sich der Rest der Angeklagten ins Ausland abgesetzt hatte. Die Ereignisse von 1915-1918 wurden von internationalen, nationalen und regionalen Gremien als Völkermord im Sinne der UNO-Völkermordkonvention qualifiziert. Die Türkei hat sich jedoch bis heute geweigert, den Völkermord an den Armeniern als historische Tatsache anzuerkennen. In der Schweiz tat dies der Nationalrat nach langwierigen Schritten am 16. Dezember 2003.

Menschenrechtslage:
Heute ist die grösste Schwierigkeit für eine Debatte des Völkermordes in der türkischen Öffentlichkeit die repressive Strafrechtspraxis. Namentlich die Artikel 312 und 159 und 301 des Strafgesetzbuches der Türkei sind immer wieder missbraucht worden, um Personen vorzugehen, die den Völkermord an den Armeniern in Wort oder Schrift öffentlich erwähnen. So wurde der Journalist Hrant Dink, der sich um einen armenisch-türkischen Dialog bemühte, wegen „Beleidigung des Türkentums“ angeklagt und auf Bewährung verurteilt. Er wurde 2007 von einem türkischen Nationalisten erschossen. Auch der Nobelpreisträger Orhan Pamuk wurde aufgrund seiner öffentlichen Kritik am Völkermord an den Armeniern und seiner Kritik an der Unterdrückung dieses Themas in der Türkei angeklagt und Ende März 2011 für schuldig befunden. Aufgrund seiner Aussage im Jahr 2005 „Die Türken haben auf diesem Boden 30‘000 Kurden und 1 Million Armenier getötet“ muss er an fünf Türken insgesamt 6000 TL Schadenersatz auszahlen. Nachdem der türkisch-deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli in Deutschland Romane über den Völkermord an den Armeniern veröffentlicht hatte, wurde er bei seiner Einreise in die Türkei 2010 verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis.

Forderungen der GfbV:
  • Anerkennung des Völkermordes durch die türkische Regierung
  • Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung von Personen in der Türkei, welche sich zum Völkermord an den Armeniern äussern
  • Die Bestrafung von Leugnern des Völkermordes an den Armeniern international und in der Schweiz
  • Eine aktive Beteiligung der Schweiz am Versöhnungsprozess zwischen der Türkei und Armenien


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