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Gesellschaft für bedrohte Völker

Stopp Antiziganismus - Respekt und Anerkennung der Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz

Übersicht

Jenische, Sinti und Roma sind Minderheiten, die in der Schweiz oft Vorurteilen und Diskriminierun-gen ausgesetzt sind. Die von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) im Dezember 2013 veröffentlichte Studie (Link zur Studie im Auftrag der EKR) zu Antiziganismus in den Schweizer Medien kommt zum Schluss, dass in rund der Hälfte der analysierten Berichte Pauschalisierungen verwendet werden. In jedem achten Beitrag über Roma und Jenische sind Pauschalisierungen klar negativ und somit diskriminierend.

Die Jenischen, Sinti und Roma sind eine sehr heterogene Gruppe. In der Schweiz leben 35 000 Jenische, davon sind 3000-5000 «Fahrende». Dazu kommen noch einige hundert Sinti mit meist fahrender Lebensweise. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass 80-100 000 Roma in der Schweiz leben, welche allesamt sesshaft sind. Der Grossteil dieser Minderheiten ist also «unsichtbar» und hat sich somit bestens in die Schweizer Mehrheitsgesellschaft integriert. Die «Fahrenden» hingegen werden oft als Fremdkörper wahrgenommen, mediatisiert und problematisiert.

Für die unheilvolle Kombination von struktureller Diskriminierung und kultureller Stigmatisierung von Jenischen, Sinti und Roma hat sich in der Geschichts- und Sozialwissenschaft in den letzten Jahren einen neuen Begriff etabliert: «Antiziganismus». Wie viele Formen des Rassismus funktioniert auch der Antiziganismus ohne reale Anwesenheit der Betroffenen. Wo es keine Jenischen, Sinti und Roma gibt, erfindet der Antiziganismus welche. Betroffene kommen kaum zu Wort. Um den zunehmenden Antiziganismus in der Schweiz entgegenzutreten, stehen neben Medien auch der Bundesrat und Behörden in der Verantwortung.

Im Zusammenhang mit dem Europäischen Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten wird die Gruppe der «Fahrenden» seit 1998 offiziell als nationale Minderheit anerkannt und gilt seither bei der Bundesverwaltung als stehender Begriff. Diese Bezeichnung wird jedoch der Realität der betroffenen Minderheiten nicht gerecht, da es sich um eine Vermischung von Lebensweise und ethnischer Zugehörigkeit handelt. Die Anerkennung der «Fahrenden» als nationale Minderheit ist somit für die betroffenen Angehörigen verschiedener Minderheiten nicht sehr hilfreich, da sie die  Selbstbezeichnungen verdrängt und somit die spezifischen Interessen der verschiedenen Minderheitenangehörigen gegeneinander ausspielt.

Zwischen 1998 und 2012 hat der Bundesrat bereits drei Berichte der Schweiz zur Umsetzung des Rahmenübereinkommens verabschiedet. In allen Berichten wird auf den Umstand verwiesen, dass die unter dem Begriff  «Fahrenden» zusammengefassten  Minderheiten am meisten mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Eine Sorge seien weiterhin die fehlenden Stand- und Durchgangsplätze für Jenische, Sinti und Roma, die eine fahrende Lebensweise pflegen. Trotz Sensibilisierungsmassnahmen durch den Bund in mehreren Kantonen habe sich die Lage nicht verbessert. Auch im Bereich der Förderung der Kultur und Identität der Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz seien weitere Bestrebungen notwendig. Mittels Projekten zur Förderung von Toleranz, Anerkennung und Gleichberechtigung der Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz soll das Verständnis für die Anliegen der Minderheiten vom Bund verstärkt gefördert und Pauschalisierungen und antiziganistische Aussagen in den Medien und in der Politik gezielt bekämpft werden.


Ziele

  • Anerkennung und Gleichberechtigung der Jenischen, Sinti und Roma als nationale Minderheiten
  • Anerkennung des Romanes als territorial nicht gebundene Sprache
  • Umsetzung des Europäischen Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten
  • Sensibilisierung von Behörden und Medienschaffenden zum Thema Antiziganismus

Aktivitäten

  • Koordination einer Arbeitsgruppe mit Jenischen-, Sinti- und Roma-AktivistInnen
  • Stellungnahmen und Interventionen
  • Lobbying bei Behörden, Parlament und Medienschaffenden
  • Vermittlung von Fachpersonen und MinderheitenvertreterInnen als Kontakt und Ansprechpersonen für Behörden und Medienschaffende
  • Durchführung und Anpassung des 8. April (International Romani Day) als Tag der Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz

Minderheiten

In der Schweiz leben 35'000 Jenische, davon sind 3000-5000 «Fahrende». Dazu kommen noch einige hundert Sinti mit meist fahrender Lebensweise. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass 50'000 Roma in der Schweiz leben, welche allesamt sesshaft sind.



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Unser neuester Bericht ist da

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«Gefangen im Teufelskreis - Zwangsmigration von Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter aus dem Kosovo»
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8. April: Internationaler Tag der Roma

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Mit einer Fotoaktion fordern wir:
Respekt und Annerkennung!
Bilder Aktion 8. April 2015 (PDF, 971 KB)

Kontaktperson bei der GfbV:

Angela Mattli
+41 (0) 31 939 00 03
angela.mattli@gfbv.ch

Kulturbotschaft


Stellungnahme Kulturbotschaft GfbV (PDF, 116 KB)

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