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Gesellschaft für bedrohte Völker

Kosovo: Förderung der jungen Roma-Generation

Übersicht

Minderheiten wie die Roma, Ashkali und die Ägypter (RAE, im Folgenden als Roma zusammengefasst) sind die wohl am stärksten benachteiligte Gruppe in Kosovo. Armut ist weit verbreitet und betrifft diese Minderheiten am meisten. Sie leiden unter Diskriminierung in fast allen Lebensbereichen. Die Analphabetenrate ist extrem hoch, die Wohnverhältnisse sind prekär und es gibt immer wieder Übergriffe auf Roma. Zudem ist der Zugang zum Sozial- und Gesundheitswesen stark eingeschränkt.
Während des Kosovo-Krieges wurden 1999 Flüchtlingslager für die intern vertriebenen Roma auf stark verseuchtem Boden im Norden Mitrovicas aufgebaut. Seit der Eröffnung der Lager vor über zehn Jahren hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) International für deren Schliessung und die medizinische Behandlung der Lagerbewohner eingesetzt. Seit März 2009 war die Schliessung der bleiverseuchten Lager ein Kampagnenschwerpunkt der GfbV Schweiz. Nach einer ersten, erfolgreichen Phase intensiver internationaler Öffentlichkeitsarbeit, die in der Schliessung der bleiverseuchten Flüchtlingslager und einer Umsiedlung in sichere Häuser gipfelte, kam es – in Rücksprache mit den betroffenen Roma - zu einer Neuausrichtung der Kampagne. Der Informationsfluss zwischen Behörden, der internationalen Gemeinschaft und den Betroffenen steht dabei im Zentrum. Die GfbV hat erkannt, dass die Roma selber kaum je angehört und nicht in die offiziellen nationalen und internationalen Förderungspläne einbezogen werden. Aus diesem Grund setzt die GfbV verstärkt auf die junge Generation der Roma und versucht durch gezieltes Empowerment und „Capacity building“ Strukturen und Netzwerke aufzubauen, damit die Roma ihre Rechte selbst einfordern können. Seit Herbst 2009 arbeitet Dzafer Buzoli – selbst Roma – als Projektkoordinator für die GfbV International und engagiert sich für den vermehrten Einbezug der Roma im Kosovo.

Ziele

Ziel ist es, dass die jugendlichen Roma in Kosovo künftig eine aktive Rolle in der Zivilgesellschaft spielen und ihre Grundrechte gezielt einfordern können. Dazu sind eine funktionierende Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppierungen und der Aufbau eines Netzwerkes für die jugendlichen Roma sowie ein gezieltes „Capacity building“ notwendig.
In Bezug auf die Roma in Kosovo fordert die GfbV sowohl den Einbezug und die Partizipation von Direktbetroffenen bei den diversen Roma-Förderungsprogrammen wie auch ein verstärktes Monitoring und Controlling der finanziellen Mittel, die in die Romaprogramme fliessen.
Mit der Umsiedlung eines Grossteils der Flüchtlinge aus den bleiverseuchten Lagern ist ein wesentliches Ziel der GfbV-Kampagne erreicht. Allerdings hatten anfangs 2011 noch ca. 10 Familien keine definitive Behausung gefunden. Auch diese Personen müssen baldmöglichst umgesiedelt werden. Zudem werden die Betroffenen noch jahrelang an den Folgen ihres Aufenthaltes im bleiversuchten Lager leiden. Es besteht die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach der Umsiedlung der Roma-Familien schwindet und sich die kosovarische Regierung nicht mehr verpflichtet fühlt, die bisher weitgehend ungesicherte medizinische Versorgung für die Betroffenen zu garantieren. Das Ziel bleibt deshalb eine langfristige medizinische Versorgung der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner der Flüchtlingslager.

Aktivitäten

Die GfbV fokussiert neu auf den Aufbau und die Entwicklung der Youth for positive Change (YPC). Dies ist ein überregionaler Zusammenschluss von Roma-Vertreterinnen und -Vertretern aus, die zunehmend motiviert sind, Zukunftsperspektiven zu entwickeln und sich für die Verbesserung der Minderheitenrechte im Kosovo zu engagieren. 2010 organisierte die GfbV bereits einen Workshop für neun jugendliche Romas aus fünf Regionen Kosovos (Gjilan, Mitrovice, Prizren, Fushe Kosove and Caglavica/ Prishtina). Hauptthemen des Workshops waren Capacity Building, Projktmanagement, Vernetzung sowie Lobbying und Kampagnenarbeit. Das Resultat des Workshops war die Gründung der YPC. Die GfbV wird auch in Zukunft eine beratende Rolle in der Konsolidierung und Weiterentwicklung der YPC einnehmen und sie in die Einbindung von institutionellen Prozessen unterstützen.
Auf internationaler Ebene werden Vorstösse bei der UNO, OSZE, EU, Europarat etc. erarbeitet und sichtbare öffentliche Auftritte von RAE VerterterInnen organisiert.
Des Weiteren fungiert die GfbV als Kontakt für Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Projekten für die Stärkung der RAE Minderheit engagieren.

Siedlungsgebiet:




Die Roma sind eine transnationale europäische Minderheit mit indischer Abstammung. Sie leben in sämtlichen europäischen Ländern des europäischen Kontinents, wobei sich sehr viele in Rumänien, Bulgarien und der Slowakei aufhalten. Ein kaum zu bestimmender Anteil ist auf der Wanderung durch Europa.
Bevölkerungszahl:












 
Schätzungen zufolge beläuft sich ihre Zahl der Roma auf neun Millionen. In Kosovo, mit einer Gesamtbevölkerung von 1, 9 Mio. leben ca. 36-40'000 (1.6-1.9%) Roma. Die Zahl der Flüchtlinge und intern Vertriebenen wird zwischen 80‘000 und 110‘000 geschätzt.  Die DEZA geht davon aus, dass der Bevölkerungsanteil der Roma in Kosovo vor dem Krieg ca. 16% betrug.
Die genaue Zahl der Roma, insbesondere derjenigen in den Balkanstaaten, ist schwierig zu berechnen, da sich viele Roma bei Befragungen sich nicht als solche ausgeben oder gar keine Identitätsdokumente oder Geburtszertifikate haben.
Ethnische Gruppen in Kosovo: Albaner (88%), Serben (7%) und Bosniaken, Gorani, Roma, Ashkali, Ägypter und Türken (5%)
Sprache: Romanes , Albanisch, Serbisch

Arbeitslose Jugendliche in Kosovo:
Nicht-Roma: 74%    
Roma: 86%

Literatenrate in Kosovo:
Alter Nicht-Roma Roma Roma-Frauen
15-24 98% 65% 56%
25-34 98% 76% 69%


Sehen Sie hier unser Video zum Projekt!

Kontaktperson bei der GfbV:

Angela Mattli
Leiterin Kampagnen und Projekte
+41 (0) 31 939 00 03
angela.mattli@gfbv.ch

Partner: Youth for Positive Change (YPC)

YPC Logo

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