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Gesellschaft für bedrohte Völker

Irak: Nie wieder Halabja!

Übersicht

Während des ersten Golfkriegs wurden die Kurden im Nordirak Opfer einer gross angelegten Vernichtungsoffensive durch Saddam Husseins Regime. Traurige Berühmtheit erlangte insbesondere der Giftgas-Angriff auf die Stadt Halabja vom 16.-18. März 1988. Die Bewohner der damals 80‘000 Einwohner zählenden Stadt wurden während der drei Tage mit einem Giftcocktail aus Senfgas, Nervengas, Sarin, Tabun und sehr wahrscheinlich Cyanid bombardiert. Bei den Angriffen starben mindestens 5‘000 Menschen innerhalb weniger Stunden, weitere 10‘000 wurden so schwer verletzt, dass sie später starben oder dauerhafte Gesundheitsschäden erlitten.

Das Ausgangsmaterial für die chemischen Substanzen, die beim Giftgasangriff verwendet wurden, wurde Saddam Hussein von westlichen Unternehmen geliefert, die keine kritischen Fragen stellten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) war massgeblich daran beteiligt, dass ans Tageslicht kam, dass deutsche Chemiefirmen chemische Substanzen an Saddam Hussein geliefert hatten.

Die Angriffe waren Teil der Vernichtungsaktion „Al Anfal“ von Saddam Hussein gegen das kurdische Volk und andere Minderheiten, welche Ende der 1980er Jahre über 180'000 Opfer forderte. Unter den Betroffenen ist dieses dramatische Ereignis immer noch sehr präsent – in der breiten Weltöffentlichkeit jedoch verblasst die Erinnerung an „Al Anfal“ mehr und mehr. Mit der Verhaftung Saddam Husseins und der Aufnahme eines Prozesses gegen ihn bestand die Hoffnung, er könnte für diesen Völkermord an den Kurden angeklagt werden, und die Betroffenen durch seine Verurteilung eine späte Gerechtigkeit erfahren. Saddam Hussein wurde jedoch in einem Prozess wegen der Ermordung von 148 Schiiten zum Tode verurteilt und hingerichtet. Den Überlebenden wurde so die Chance geraubt, auf juristischem Weg Gerechtigkeit zu erfahren.

Die Kurden im Irak vermochten nach jahrelanger und massivster Unterdrückung durch den irakischen Diktator Saddam Hussein von der ihnen nun zugestandenen Autonomie zu profitieren. Irakisch-Kurdistan erweist sich heute als einzige Region im Irak seit Jahren als stabil und friedlich und heute sehen sich die hier die Mehrheit bildenden Kurden in der bemerkenswerten Lage, dass nun plötzlich von ihnen ein vorbildlicher Umgang mit den hier lebenden Minderheiten eingefordert wird. In Bezug auf den Gesamtirak aber bilden die Kurden nach wie vor eine Minderheit. Entsprechend bleibt auch die Lage der Kurden im Irak mit einer gewissen Unsicherheit belastet.


Ziele

  • Verbesserung der Lage der betroffenen Bevölkerung, insbesondere im Bereich Gesundheitsdienstleistungen und Stärkung der Zivilgesellschaft
  • Unabhängige Untersuchungen über aktuelle Belastung in Böden und Wasser
  • Bewusstsein in der Schweizer Öffentlichkeit erhalten
  • Die Schweizer Regierung soll klar Position ergreifen, wenn eine andere Regierung massiv Minderheitenrechte verletzt. Sie darf nicht schweigen.
  • In ein Land, dessen Regierung massiv Minderheitenrechte verletzt, darf die Schweizer Wirtschaft keine Güter liefern, die gegen Minderheiten eingesetzt werden können.

Aktivitäten

Seit 2007 engagiert sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit Wadi e.V. und Green Cross Schweiz in Entwicklungsprojekten in der durch die Giftgasangriffe von 1988 verseuchten Region. Deren Bewohner leiden immer noch an den Langzeitfolgen der Angriffe, sowie an einer entwicklungspolitischen Vernachlässigung durch die irakische Regierung. Die unterstützten Projekte haben insbesondere zum Ziel, die medizinische Betreuung zu verbessern und die sozialen Netzwerke zu stützen. Unter anderem wurde eine Radiostation für die Region um Halabja finanziert, ein mobiles Gesundheitsteam, das die abgelegenen Dörfer besucht und betreut, und zwei Frauenzentren in Halabja und Biara, welche insbesondere Kurse in Lesen und Schreiben, Computer und Internet, sowie sexuelle Gesundheit und Familienplanung anbieten. Die Programme dienen auch dazu, indirekt das Erlebte zu verarbeiten, und durch eine Stärkung der sozialen Netze die Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft zu erhöhen. Dieser Aspekt der Vergangenheitsarbeit wurde u.a. auch in der Schweiz anlässlich von Gedenkveranstaltungen zu den Jahrestagen des Giftgasangriffes auf Halabja aufgenommen.

Von 2006 – 2010 lag ein Schwerpunkt der politischen Arbeit der GfbV in der Betreuung der Parlamentarischen Gruppe für Beziehungen zum Kurdischen Volk (PGKV), welche sich zum Ziel setzt, die Anliegen der Kurden, soweit sie einen Bezug zur Schweiz haben, auch auf parlamentarischem Weg zu fördern.


Betroffene

Das Siedlungsgebiet der Kurden wurde nach dem Ersten Weltkrieg zwischen der Türkei, Syrien, Irak und Iran aufgeteilt. Dort leben auch heute noch die meisten Kurden. Kleinere Gemeinschaften sind in der Republik Armenien, Azerbaidschan und im Libanon anzutreffen. Die Kurden sind weltweit das grösste Volk ohne eigenen Staat.

Bevölkerung: 15 - 20% (ca. 4 Mio.) im Irak
Religion:
 
Sunnitischer Islam, Alevitismus
 
Sprache:
 
kurdisch
 
Diaspora:
(Kurden allgemein)

 
In der Schweiz leben ca. 6'200 Kurden aus Nordirak.


 



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Kontaktperson bei der GfbV:

Eva Schmassmann
Kampagnen und Projekte
+41 (0)31 939 00 10
eva.schmassmann@gfbv.ch

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