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Gesellschaft für bedrohte Völker

Vor dem Europabesuch des Dalai Lama: Neuer GfbV-Bericht dokumentiert dramatische Menschenrechtslage in Tibet

10.05.2012
Anlässlich des bevorstehenden Europa-Besuchs des Dalai Lama und der Europäischen Solidaritätskundgebung für Tibet veröffentlicht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) heute Donnerstag einen neuen Hintergrundbericht zur Menschenrechtslage in Tibet. Die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger wird den Report am Mittag der britischen Regierung in London übergeben. Europa wird darin eindringlich zum Handeln aufgefordert.
Das religiöse Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, kommt am 16. Mai nach Europa. Er wird Slowenien, Österreich, und Grossbritannien besuchen und um mehr Hilfe für Tibet bitten. Ein neuer Hintergrundbericht der GfbV legt die Dringlichkeit der benötigten Hilfe schonungslos dar. Der Report dokumentiert die permanente Einmischung der Kommunistischen Partei in Fragen des tibetischen Buddhismus, die Zwangsansiedlung von bis zu zwei Millionen Nomaden, die Niederschlagung des Protests gegen umstrittene Bergbauprojekte, die systematische Verdrängung der tibetischen Sprache sowie unfaire Gerichtsverfahren.
 
Als besonderes Alarmzeichen bewerten die Autoren des Reports die wachsende Zahl von Selbstverbrennungen von Tibetern, die aus Protest gegen Chinas Tibet-Politik den Freitod wählen. Mindestens 35 Tibeterinnen und Tibeter legten bereits Hand an sich, 27 Menschen starben bei den Selbstmordversuchen.
 
Die bekannte und mehrfach ausgezeichnete Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger, welche seit vielen Jahren für Menschenrechtsorganisationen tätig ist, übergibt den Hintergrundbericht heute Donnerstag der britischen Regierung in London. Nachdrücklich werden die Regierungen Europas darin aufgefordert, eine europäische Delegation nach Tibet zu entsenden und einen Tibet-Koordinator der EU einzusetzen.
 
Diese Schritte sind dringend angebracht, da seit Frühjahr 2008 die Menschenrechtsverletzungen in Tibet dramatisch eskaliert. 1134 Tibeterinnen und Tibeter wurden aus politischen Gründen festgenommen, wobei 527 Häftlinge nach wie vor unter schwierigsten Bedingungen festgehalten werden. Die Apelle des UNO-Komitees gegen Folter, welche China aufforderten, die Menschenrechte der Inhaftierten zu wahren, verhalten leider ohne eine Wirkung zu erzielen. Europa steht deswegen umso stärker in der Pflicht, seine Verantwortung wahrzunehmen.


Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV).

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