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Newsletter
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11.10.01
US-Luftangriffe
in Afghanistan: Schweizer NGO-Koalition fordert
Gerechtigkeit, nicht Vergeltung
Die "antiterroristischen Operationen" der
internationalen Allianz gegen Terrorismus unter der
Führung der USA machen eine Stellungnahme der
schweizerischen Zivilgesellschaft nötig. Aus diesem
Anlass haben sich schweizerische NGOs zu einer Koalition
zusammengeschlossen. Sie befürchten, dass die als
Antwort auf die Attentate an der amerikanischen Ostküste
angewendeten Repressalien schwerwiegende
Menschenrechtsverletzungen zur Folge haben könnten. Sie
fordern alle beteiligten Parteien sowie die
internationale Gemeinschaft zum Schutz der afghanischen
Zivilbevölkerung auf. Die für die Attentate vom 11.
September Verantwortlichen sollen in Übereinstimmung mit
den internationalen Standards vor Gericht gebracht
werden. Neue Menschenrechtsverletzungen werden das Leid
der schon betroffenen Opfer nicht lindern. Die
Einrichtung eines ständigen internationalen
Strafgerichtshofes ist ein dringendes Anliegen der NGOs.
An die schweizerischen Behörden geht der Appell, dafür
zu sorgen, dass keine Übergriffe auf Angehörige
bestimmter ethnischer oder religiöser Gemeinschaften
geschehen.
Erklärung der schweizerischen
Nichtregierungs-Organisationen (NGOs)
Wir Nichtregierungs-Organisationen, die in den
Bereichen Menschenrechte, Entwicklungs-, Friedens- und
Flüchtlingsarbeit tätig sind, sind schockiert über die
schrecklichen Attentate, die am 11. September in den USA
verübt wurden. Diese Angriffe verletzen fundamentalste
Menschenrechte auf das Gravierendste. Unsere ganze
Sympathie gehört den Opfern, ihren Familien sowie allen
Gemeinschaften in den USA wie auch in der ganzen Welt,
die jetzt ihr Leben auf den Trümmern dieser Tragödie
neu aufbauen müssen.
Einen Tag nach den ersten Flugangriffen gegen Afghanistan
sind wir sehr beunruhigt. Die Erfahrung zeigt, dass im
Falle einer unverhältnismässigen Gewaltanwendung in
Konfliktsituationen die Zivilbevölkerung oft als erste
unter den Opfern zu finden ist. Wir rufen alle
beteiligten Parteien auf, sich strikte an die
internationalen Normen zu halten, welche durch das
international geltende humanitäre Recht und die
internationalen Menschenrechte festgelegt sind, damit die
Zivilbevölkerung geschützt wird. Demzufolge rufen wir
auch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie die
internationale Gemeinschaft dazu auf, alle ihnen
verfügbaren juristischen und diplomatischen Mittel
einzusetzen, damit die Gerechtigkeit siegt.
Wir werden unser Engagement weiterführen und verstärken
für eine Welt, in der die Menschenrechte respektiert und
darum solche Ereignisse wie jene vom 11. September
verhindert werden. Repressalien, die zu neuen
Menschenrechtsverletzungen führen, bringen weder eine
Verbesserung, noch lindern sie das Leiden der
Betroffenen. Die Verantwortlichen sollen vor Gericht
gebracht werden, und wir rufen jeden einzelnen auf, alles
daran zu setzen, dass dabei die Menschenrechte
respektiert und die internationalen Normen für faire
Gerichtsverfahren geachtet werden. Ein internationales
Verbrechen dieses Ausmasses zeigt die Dringlichkeit der
Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofes.
In verschiedenen Ländern wurden schon Angriffe auf
Angehörige bestimmter ethnischer oder religiöser
Gemeinschaften verübt. Wir rufen dazu auf, dass sich
solche Vorfälle nicht wiederholen. Wir werden uns dafür
einsetzen, dass die Verbindungen zwischen den
verschiedenen Gemeinschaften verstärkt werden. Auch
bitten wir die schweizerischen Behörden, auf Bundes- und
Kantonsebene in diesem Sinne zum Schutz aller Personen zu
handeln, die in unserem Land leben.
Es ist essentiell, dass der Hass nicht die Tagesordnung
bestimmt, und dass die Angst nicht als Entschuldigung
für neue Menschenrechtsverletzungen missbraucht wird.
Wir rufen alle auf, sich der Einführung von Gesetzen und
Massnahmen zu widersetzen, die neue
Menschenrechtsverletzungen ermöglichen oder zu solchen
führen könnten.
Es ist die Stunde der Gerechtigkeit, nicht der
Vergeltung.
Erstunterzeichnende NGOs
Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz; Amnesty
International Schweiz; Arbeitsgemeinschaft Swissaid,
Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas;
Association pour la prévention de la Torture; Forum
gegen Rassismus; Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte Schweiz; Organisation Mondiale contre la
Torture; Schweizerisches Arbeiterhilfswerk;
Schweizerische Flüchtlingshilfe; Schweizerischer
Friedensrat; Verein Menschenrechte Schweiz;
Weltföderalisten Schweiz
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Dossier Afghanistan
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