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8.8.01
Afghanistan:
Verhaftung von Helfern gefährdet humanitäre Hilfe für
fünf Millionen Hungernde
Nach
der Festnahme von 24 Mitarbeitern der Hilfsorganisation
Shelter Now International (SNI) durch Taliban-Milizen in
Afghanistan hat die Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV) am Mittwoch vor dem drohenden Zusammenbruch der
notdürftigen Versorgung von fünf Millionen Hungernden
gewarnt. "Mit ihren Übergriffen auf in- und
ausländische Helfer gefährden die Taliban die dringend
benötigten Hilfslieferungen aus dem Ausland und setzen
kaltblütig das Leben ihrer Landsleute aufs Spiel",
sagte der Asienreferent der GfbV, Ulrich Delius.
"Hilfswerke könnten sich aus Sorge um die
Sicherheit ihrer Mitarbeiter jetzt tatsächlich aus
Afghanistan zurückziehen." Selbst vor humanitären
Einrichtungen wie Krankenhäusern machten die Taliban
nicht Halt. Im Mai hatte die Religionspolizei ein von
Italien unterstütztes Krankenhaus in Kabul gestürmt,
weil sie den Verdacht hatte, dort würden Frauen und
Männer gemeinsam in der Kantine speisen. Das Krankenhaus
in Yakawlang im Siedlungsgebiet der Hazara war am 11.
Juni angegriffen worden.
Sowohl die Vereinten Nationen als auch zahlreiche
Geberländer - unter ihnen der stellvertretende
Generalsekretär der Vereinten Nationen Kenzo Oshima und
der Vorsitzende der Afghanistan-Unterstützer-Gruppe, der
deutsche Botschafter in Pakistan Hans-Joachim Daerr -
hatten in den letzten Monaten über die zunehmende Zahl
der Übergriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen
geklagt und Konsequenzen angekündigt: Sollte die
humanitäre Arbeit weiter behindert werden, müssten die
Hilfslieferungen eingestellt werden. Die Vereinten
Nationen hatten angedroht, ihre Hilfsprogramme im Wert
von 260 Millionen US-Dollar zu stoppen. In der
Afghanistan-Unterstützergruppe haben sich 16 Länder -
unter ihnen die Schweiz - zusammengeschlossen, die
humanitäre Hilfe in Afghanistan leisten.
Die radikal-islamistischen Taliban setzen nicht nur die
Bevölkerung Afghanistans mit extrem rigiden religiös
begründeten Vorschriften unter unerträglichen Druck,
die unter Androhung brutalster Strafen von öffentlicher
Auspeitschung bis hin zur Steinigung durchgesetzt werden.
Zunehmend sollen sich auch Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisationen an diese zum
Teil menschenverachtenden Regeln halten. Längst ist es
auch Ausländerinnen verboten, ein Auto zu steuern. Jetzt
ist eine Verordnung geplant, die alle im Land arbeitenden
Ausländer dazu zwingen soll, sich bei der Erteilung des
Arbeitsvisums schriftlich dazu zu verpflichten, das
traditionelle islamische Scharia-Recht zu beachten.
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Dossier Afghanistan
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