 |
 |
Newsletter 484
28.01.2010
Rebiya Kadeer: „Schweiz soll zwei Uiguren aufnehmen“
Rebiya Kadeer, Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren,
appelliert an den Bundesrat, die uigurischen Gebrüder Mahnut
aufzunehmen, die seit Jahren in Guantánamo gefangen gehalten werden.
An einer Medienkonferenz in Bern, organisiert von der Gesellschaft
für bedrohte Völker (GfbV), kritisierte sie die verstärkte
Unterdrückung der muslimischen Minderheit in der chinesischen
Provinz Xinjiang (Ostturkestan) und forderte den Nichtvollzug der
Todesurteile, die nach den Unruhen von Juli 2009 gegen rund 30
Uiguren ausgesprochen wurden.
Die chinesische Regierung hat die Ausgaben für die innere
Sicherheit in der chinesischen Provinz Xinjiang (Ostturkestan)
innert einem Jahr fast verdoppelt. Dies berichtete Rebiya Kadeer,
die bekannteste uigurische Dissidentin, an der Medienkonferenz. Seit
den Unruhen von Juli 2009, die gemäss offiziellen Angaben rund 200
Menschenleben gekostet haben, sind rund 30 Uiguren zum Tode
verurteilt und einige von ihnen bereits hingerichtet worden. Die
chinesischen Behörden missachten laut Kadeer die Menschenrechte und
forcieren die Ansiedlung von Han-Chinesen.
Kadeer appellierte auch an den Schweizer Bundesrat. Die Schweizer
Landesregierung solle im Menschenrechtsdialog mit China verstärkt
die Minderheitenpolitik Chinas thematisieren.
Rebiya Kadeer weilt auf Einladung der GfbV in der Schweiz. Anlass
sind die Auseinandersetzungen, ob die Schweiz aus humanitären
Gründen zwei uigurische Brüder aus Guantánamo aufnehmen soll. Mitte
Dezember stellte sich der Bundesrat grundsätzlich positiv zur
Aufnahme, und der Kanton Jura liess verlauten, dass eine Aufnahme
möglich sein könnte. Nachdem die chinesische Botschaft mit
diplomatischen Konsequenzen gedroht hatte, ist eine breite Debatte
in der Schweiz entstanden. Leider droht nun ein Kniefall des
Bundesrates, vor allem nachdem Schweizer Wirtschaftsvertreter in den
vergangenen Tagen die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
der Schweiz und China hervorgehoben haben.
Die GfbV unterstützt die Forderungen von Rebiya Kadeer. „Als
Depositarstaat der Genfer Konventionen soll die Schweiz die beiden
Uiguren aufnehmen“, erklärte Christoph Wiedmer, Geschäftsleiter der
GfbV.
Die 61jährige Rebiya Kadeer machte in China Karriere als
Unternehmerin. Sie war auch mehrere Jahre lang Mitglied des
nationalen Parlamentes. Aufgrund ihres Engagements für mehr
Autonomie für die Uiguren wurde sie 1999 zu acht Jahren Gefängnis
verurteilt. Einen Teil des Freiheitsentzuges musste sie in
Isolationshaft verbringen. Im Jahre 2005 wurde sie entlassen und
erhielt daraufhin in den USA Asyl. Seit Ende 2006 amtet sie als
Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren.
Hintergrund zu den Uiguren-Häftlingen aus
Guantánamo
Dossier China
Newsletter abonnieren
|