 |
 |
Newsletter 461
07.09.2009
Nach 22 Monaten Haft in Afghanistan: Unschuldig
zum Tode verurteilter Journalist endlich freigelassen!
Der afghanische Journalist Parvez Kaambakhsh wurde endlich
freigelassen. Mit grosser Erleichterung hat die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) am Montag diese Nachricht aufgenommen. Die
Menschenrechtsorganisation bedauert jedoch, dass die gegen den
kritischen Journalisten verfügten Unrechtsurteile nicht aufgehoben
wurden. Seit seiner Verhaftung am 27. Oktober 2007 hatte sich die
GfbV intensiv um Parvez bemüht.
Parvez wurde bereits vor zwei Wochen aus dem Zentralgefängnis von
Kabul entlassen und zunächst an einen geheimen Ort gebracht. Von
dort wurde er nun ins Ausland ausgeflogen. Die Behörden reagierten
auf massiven internationalen Druck, unterliessen es aber, seine
Unschuld festzustellen und ihn für die unrechtmässige Haft zu
entschädigen.
Auf Initiative der GfbV hatten sich Politiker sowie Regierungen in
aller Welt für die Freilassung Parvez‘ eingesetzt. Mehr als 100‘000
Europäer hatten Petitionen für seine Freilassung unterzeichnet. "Die
Freilassung des jungen Journalisten gleicht der Ausbürgerung eines
unbequemen Kritikers", berichtet die GfbV. Der Fall Parvez habe wie
kein anderer die Defizite der afghanischen Strafverfolgung und des
Justizwesens aufgezeigt.
Parvez war in einem Gerichtsverfahren, das afghanisches und
internationales Recht verletzte, "wegen Angriff und Beleidigung des
Heiligen Propheten sowie wegen vorsätzlicher Verfälschung von
koranischen Versen" zum Tode verurteilt worden. Man warf ihm vor,
einen im Internet verfügbaren Text, der den Propheten Mohammed
beleidigte, unter Studenten der Balkh-Universität verbreitet zu
haben. Parvez hatte dies immer bestritten und erklärt, seine
Unterschrift sei gefälscht worden. Entlastungszeugen, die sein
Anwalt anführte, wurden nicht vor Gericht vorgeladen. Unmittelbar
nach seiner Verhaftung durch den Geheimdienst wurde er gefoltert,
wie mehrere Zeugen glaubhaft versicherten. Die Behörden und das
Gericht ignorierten jedoch alle Foltervorwürfe. Am 22. Januar 2008
wurde er zum Tode verurteilt. Sein Fall wurde zum Zankapfel zwischen
der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung. Auf
Druck des Auslands hatte das Berufungsgericht das Todesurteil am 21.
Oktober 2008 in eine 20-jährige Haftstrafe umgewandelt.
Mit der Inhaftierung und Verurteilung von Parvez sollte vor allem
sein Bruder Sayed Yaqub Ibrahimi getroffen werden, ein angesehener
Journalist und gefürchteter Kritiker der Warlords und ihrer
Willkürherrschaft.
Dossier Afghanistan
Newsletter abonnieren
|