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Newsletter 457
24.08.2009
China will in dieser
Woche 200 uigurische Demonstranten vor Gericht stellen: Uiguren droht
Welle von Todesurteilen
Vor einer neuen Welle von Todesurteilen gegen muslimische Uiguren
im Nordwesten Chinas hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
am Montag gewarnt. In dieser Woche sollen sich 200 uigurische
Demonstranten vor chinesischen Gericht verantworten, weil sie sich
Anfang Juli 2009 an den gewaltsamen Auseinandersetzungen mit
Han-Chinesen in ihrer Provinz beteiligt haben sollen. Die
Menschenrechtsorganisation befürchtet, dass die chinesischen
Behörden den Kreislauf der Gewalt mit neuen Unrechtsprozessen noch
weiter anfachen statt die Ursachen der Proteste in der Unruheregion
Xinjiang (Ostturkestan) zu hinterfragen.
Nach offiziellen chinesischen Angaben sollen bei den Unruhen seit
anfangs Juli 197 Menschen getötet und mehr als 1'600 Personen
verletzt worden sein. Mehr als 2'240 Uiguren wurden den Behörden
zufolge verhaftet. Die tatsächliche Zahl der Opfer sowie der
Festgenommenen ist nach Auffassung der GfbV jedoch deutlich höher.
Darauf deuteten Berichte von Angehörigen Verschwundener hin.
Selbstverständlich sollten Uiguren und Han-Chinesen, die bei den
jüngsten Unruhen Menschen verletzt oder getötet haben, juristisch
zur Rechenschaft gezogen werden, sagte die GfbV am Montag. Doch die
an der Niederschlagung der anfangs friedlichen, uigurischen Proteste
beteiligten chinesischen Sicherheitskräfte müssten dringend
ebenfalls zur vor Gericht gestellt werden, damit nicht eine
Willkürjustiz herrsche. Die GfbV kritisierte zudem die masslose
Verhängung der Todesstrafe gegenüber den Uiguren. Keine andere
ethnische Minderheit in China leidet so sehr unter der Anwendung der
Todesstrafe wie die Uiguren. So sind seit 1997 mehr als 700 Uiguren
aus politischen Gründen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
Chinesische und internationale Rechtsgrundsätze sind in den
Verfahren regelmässig missachtet worden.
China steht mit seiner Minderheitenpolitik nicht nur in Xinjiang,
sondern auch in Tibet vor einem Scherbenhaufen. Dringend muss Peking
umdenken, um weitere Ausschreitungen zwischen Han-Chinesen und den
Minderheiten zu verhindern. Solange China sich weigert, die
offiziell bestehende Autonomie Xinjiangs und Tibets tatsächlich
zuzulassen, wird es neue Auseinandersetzungen in beiden Regionen
geben. Ausserdem werden mit der staatlich geförderten Zuwanderung
von Han-Chinesen die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen im
Nordwesten des Landes ständig weiter geschürt. Solange die
chinesischen Behörden nicht die Ursachen der Gewalt hinterfragten,
sind neue Proteste vorprogrammiert.
Dossier China
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