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Newsletter 450
03.08.2009
Dalai Lama besucht Schweiz (3.8.-7.8.): Düstere
Bilanz für Tibet ein Jahr nach der Olympiade in Peking
Die Menschenrechtslage in Tibet hat sich nach der Olympiade in
Peking weiter verschlechtert. Ein glaubwürdiger Dialog mit dem Dalai
Lama wird von der chinesischen Regierung verhindert. Dies erklärte
die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag zum Auftakt
eines fünftägigen Schweiz-Besuches des Dalai Lama.
Auch ein Jahr nach der Olympiade gibt es jede Woche Berichte über
willkürliche Verhaftungen und politisch motivierte Prozesse gegen
Tibeter. Opfer der Repressionsmassnahmen sind nicht nur Nonnen und
Mönche, sondern auch Schüler, Studierende, Nomaden und sogar
Regierungsbeamte. Chinas Behörden verstärken zudem systematisch die
elektronische Überwachung der Tibeter und unterbinden zunehmend den
Empfang ausländischer TV-Sender. So mussten Tibeter in der
chinesischen Provinz Gansu kürzlich auf Anordnung der Behörden ihre
Satellitenschüsseln abbauen.
Die GfbV befürchtet, dass nicht nur in Xinjiang, sondern auch in
Tibet mit neuen Unruhen zu rechnen ist, sollte China an dieser
unnachgiebigen Minderheiten-Politik festhalten und weiterhin jede
echte Autonomie für Tibet verweigern. Denn der Protest wird heute
nicht mehr nur von buddhistischen Nonnen und Mönchen getragen,
sondern von der breiten Bevölkerung. So ist am 28. Juni 2009 der 18
Jahre alte Schüler Lobsang Nyandak verhaftet worden, weil er gegen
Chinas Herrschaft in Tibet öffentlich protestiert hatte. Zwei
tibetische Schüler sind kürzlich zu zwei Jahren Haft verurteilt
worden, weil sie im April die chinesische Flagge auf ihrem
Schulgelände in der Stadt Tsashul vom Mast geholt hatten. Zwei
weitere Schüler wurden am 19. Juni ihrer Schule in der Stadt
Sangkhok (Provinz Gansu) verwiesen, weil sie öffentlich gegen die
Bevorzugung von Han-Chinesen im Bildungssystem protestiert hatten.
Die GfbV kritisiert zudem, dass Chinas Regierung jeden glaubwürdigen
Dialog mit der tibetischen Exilregierung des Dalai Lama verweigert.
Der nach den Unruhen im Frühjahr 2008 von der Europäischen Union
geforderte Dialog Pekings mit den Tibetern ist kläglich gescheitert
und hatte lediglich eine Feigenblatt-Funktion. So reagierte die
chinesische Regierung ablehnend auf das "Memorandum über eine echte
Autonomie für das Tibetische Volk", das Unterhändler des Dalai Lama
während der achten und letzten Gesprächsrunde zwischen Tibetern und
der chinesischen Führung am 4. November 2008 übergeben hatten.
Dossier China
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