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Newsletter 448
28.07.2009
Zerstörung der Altstadt Kashgars: Kulturelles Erbe
der Uiguren bedroht
In einem im Juli erschienenen Bericht beschreibt die Gesellschaft
für bedrohte Völker (GfbV) die geplante systematische Zerstörung der
Altstadt von Kashgar – einem Zentrum uigurischer Kultur – durch die
chinesischen Behörden sowie die zwangsweise Umsiedlung der dort
lebenden uigurischen Minderheit. Die GfbV ruft die Schweiz auf, sich
gegenüber China für einen Stopp der Zerstörung dieses kulturellen
Erbes einzusetzen. Der Schweizer Regisseur Marc Forster setzt sich
ebenfalls für eine Rettung der Stadt ein.
Im Februar 2009 begannen chinesische Behörden mit der Zerstörung
des alten Teils von Kashgar - einer Stadt in der Provinz Xinjiang -
und der zwangsweisen Umsiedlung ihrer BewohnerInnen. Rund 200‘000
Uiguren sind von diesen Massnahmen betroffen. Kashgar gilt als die
kulturhistorisch bedeutendste Stadt Zentralasiens und als Zentrum
des uigurischen Widerstandes. Chinesische Medien erklären das
Vorgehen der Behörden mit Aspekten der öffentlichen Sicherheit wie
dem Schutz vor Erdbeben. Laut Berichten westlicher Medien und von
Betroffenen werden Bewohner der Altstadt ohne entsprechende
Kompensation für den Verlust ihrer Wohnungen und Häuser in
Häuserblocks umgesiedelt, die ausserhalb der Stadt liegen. Ohne eine
Möglichkeit der Mitsprache werden sie aus ihrem gewohnten sozialen
und religiösen Umfeld gerissen. In der Stadt wurden in den
vergangenen Wochen mehr als 2'100 Überwachungskameras installiert.
Eine neue Sicherheitseinheit kontrolliert mit 1'800 Mitarbeitern
gezielt Strassen, Internetcafes und andere Einrichtungen.
Kampagne zur Auslöschung der uigurischen Kultur?
Repräsentanten der Uiguren im Exil sprechen von einer von langer
Hand geplanten Kampagne zur Auslöschung der uigurischen Kultur und
Identität. Rebiya Kadeer, Präsidentin des Weltuigurenkongresses
(WUC), ist erschüttert über die fortschreitende kulturelle
Zerstörung: „Die chinesischen Behörden geben sich nicht länger
zufrieden damit, unsere Sprache aus den Schulen und unsere Religion
aus den Moscheen zu entfernen. Jetzt reissen sie physisch unsere
Häuser, unsere Geschäfte und unsere heiligen Orte nieder.“ Auch der
Schweizer Regisseur Marc Forster, der für seinen Film
„Drachenläufer“ mehrere Monate in Kashgar lebte, ist entsetzt: „Ich
empfand es als Privileg, dort willkommen und von der Schönheit und
Kultur der Uiguren umgeben zu sein. Ich bin entsetzt, dass ihnen
ihre Heimat, ihr Glaube und ihr Erbe genommen wird und bitte alle
Menschen dringend, sich dafür einzusetzen, dass diese alte Stadt
gerettet wird.“
Kashgar sollte in Weltkulturerbe-Liste aufgenommen werden
Obwohl die chinesische Regierung versprach, sich dafür einzusetzen,
dass die Orte an der Seidenstrasse in die Liste des
UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden und somit unter besonderen
Schutz gestellt würden, hat man Kashgar im chinesischen Antrag
bewusst ausgelassen. Und dies trotz der Tatsache, dass Kashgar über
Jahrhunderte hinweg einen Ort des Handels, des kulturellen
Austausches und wohl die bedeutendste Stadt an der chinesischen
Seidenstrasse darstellte. Die GfbV ruft die internationale
Gemeinschaft und insbesondere die Schweiz dazu auf, sich gegenüber
China dafür einzusetzen, dass die Zerstörung der Altstadt Kashgars
sofort eingestellt wird, um einen weiteren irreparablen Verlust
dieses Zentrums der Architektur und kulturellen Erbes zu verhindern.
GfbV-Bericht "Rettet Kashgar"
Dossier China
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