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Newsletter 442
15.07.2009
Besuch des Dalai Lamas in der Schweiz: Bundesrat
soll Gespräch suchen
Der Dalai Lama reist anfangs August für einen Kurzbesuch in die
Schweiz. Heute wurde bekannt, dass der Bundesrat offenbar auf ein
Treffen mit dem geistigen und politischen Oberhaupt Tibets
verzichten will. Die Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (GfbV)
sieht in diesem Verzicht eine verpasste Chance und fordert den
Bundesrat auf, seine offensichtliche Rücksichtnahme auf offizielle
chinesische Befindlichkeiten abzulegen und die Chance zu einem
direkten Austausch mit dem Dalai Lama wahrzunehmen.
Das geistige und politische Oberhaupt der Tibeter reist anfangs
August zu einem Kurzbesuch in die Schweiz, nachdem letztes Jahr ein
Treffen mit dem damaligen Bundespräsidenten Pascal Couchepin aus
gesundheitlichen Gründen hatte abgesagt werden müssen. Heute wurde
nun bekannt, dass sich kein Mitglied der Bundesregierung zu einem
Treffen mit dem politischen Gegenspieler Pekings bereit erklärt hat.
Offiziell begründet wurde dies mit Ferienabwesenheiten sowie
anderweitigen Terminen (Filmfestival Locarno). Es scheint jedoch
offensichtlich, dass die offizielle Schweiz seit dem Besuch des
chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao anfangs dieses Jahres
sehr darum bemüht ist, gegenüber dem chinesischen Regime einen
möglichst unkritischen Kurs zu halten. Nach wie vor in schlechter
Erinnerung ist der Besuch des chinesischen Premiers am 27.01.2009 in
Bern, als in vorauseilendem Gehorsam kurzerhand das Grundrecht der
freien Meinungsäusserungsfreiheit ausser Kraft gesetzt und
friedliche Demonstrationen von ExiltibeterInnen mit einem
Polizeieinsatz vorzeitig beendet worden waren.
Der Bundesrat zeigt sich offiziell bemüht um eine neutrale Haltung
im Konflikt um Tibet. Es würde der Schweiz deshalb gut anstehen,
wenn sie diese Neutralität nun im Gegenzug auch durch den symbolisch
wichtigen offiziellen Empfang des Dalai Lama ausdrücken würde.
Der Verzicht auf eine direkte Begegnung auf Ministerebene könnte –
gerade in der gegenwärtigen Situation in China (ethnische Spannungen
in Xinjang/Ostturkestan) - von Chinas Regime mit Befriedigung als
weiterer Bückling interpretiert werden. Die GfbV fordert deshalb den
Bundesrat auf, die wichtige Gelegenheit zu einem Austausch mit dem
geistigen und politischen Oberhaupt Tibets zu ergreifen und den
Dalai Lama offiziell zu empfangen.
Dossier China
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