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Newsletter 438
06.07.2009
Xinjiang/China: Aufruf zum Ende der Gewalt und für
eine friedliche Lösung der Minderheitenfrage
Nach Medienberichten über die massive Niederschlagung von
Protesten der uigurischen Minderheit in Urumqi durch chinesische
Sicherheitskräfte mit über 140 Todesopfern und zahlreichen
Verletzten, äussert sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
zutiefst besorgt. Die Menschenrechtsorganisation ruft die
chinesischen Behörden auf, die Gewaltanwendung sofort zu stoppen und
den legitimen Forderungen der Uiguren nach Minderheitenrechten
endlich Rechnung zu tragen.
Im Anschluss an einen Vorfall in einer Spielzeugfabrik in Shaoguan,
Goangdong, vom 26. Juni 2009, bei dem durch einen Mobangriff
mindestens zwei Uiguren das Leben verloren und rund 120 Uiguren
verletzt worden waren, organisierten uigurische Studierende für
gestern Sonntag einen Protestzug in der im Westen Chinas gelegenen
Hauptstadt der Provinz Xinjiang, Urumqi. Sie wollten damit ihre
Enttäuschung über die zögerlichen Untersuchungen durch die
chinesischen Behörden Ausdruck verleihen.
Nach Medienberichten schlossen sich dem Protestzug über 1‘000
Personen an. Nachdem der Protest zunächst friedlich verlief, kam es
beim Zusammentreffen mit chinesischen Sicherheitskräften zu einer
Gewalteskalation. Protestierende berichteten, die chinesischen
Behörden hätten angefangen, auf die Protestierenden einzuschlagen
und hätten sodann das Feuer auf den Protestzug eröffnet. Dabei seien
zahlreiche Personen erschossen worden und weitere festgenommen
worden.
Die GfbV ruft die chinesischen Behörden auf, die exzessive Anwendung
von Gewalt gegen Demonstrierende sofort zu stoppen und eine
Delegation der Demonstrierenden anzuhören. Zudem soll China endlich
die legitimen Forderungen der muslimischen Minderheit nach Beachtung
der Menschen- und Minderheitenrechte ernst nehmen und mit ihr in
einen Dialog über deren schwierige Situation treten. Uiguren werden
u.a. in den Bereichen Religionsfreiheit, Sprache, kulturelle Rechte,
Arbeit, Gesundheit gegenüber der Han-Mehrheitsbevölkerung stark
diskriminiert. Uiguren, die sich friedlich für ihre Rechte
einsetzen, müssen Verfolgung, Folter und gar Todesstrafe befürchten.
Allein 2008 sind rund 1‘300 Uiguren wegen "Gefährdung der Sicherheit
des Staates" oder verbotener religiöser Aktivitäten festgenommen
worden.
Für heute und morgen sind in Kashgar und anderen Städten weitere
Demonstration angekündigt. Die GfbV ruft daher die internationale
Gemeinschaft auf, gegenüber China zu intervenieren, damit es nicht
zu weiteren blutigen Repressionsmassnahmen gegenüber der uigurischen
Minderheit kommt.
Dossier China
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