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Newsletter 431
10.06.2009
Skandalöser Menschenhandel mit Guantanamo-Uiguren:
Aufnahmeangebot von Palau ist für Gefangene "lebenslange Verbannung"
Als "skandalösen Menschenhandel" hat die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) Pläne der US-Regierung kritisiert, 17 im
US-Gefangenenlager Guantanamo festgehaltene Uiguren aus China
vorübergehend in die entlegene Inselrepublik Palau im Pazifischen
Ozean zu bringen.
Rücksichtslos versuche die US-Regierung, die Verantwortung für
diese unschuldigen Opfer des Kampfes gegen den Terror loszuwerden,
um einer Verurteilung durch den Obersten Gerichtshof der USA zur
Freilassung der Uiguren zu entgehen, sagte der GfbV-Asienspezialist
Ulrich Delius am Mittwoch. Auch Palau komme der Handel zugute, denn
es erhalte im Gegenzug umfassende Entwicklungshilfe. "Nur den
Uiguren hilft dieser Deal nicht", warnte Delius. "Er kommt einer
lebenslangen Verbannung gleich, weil kein Drittland sich mehr bereit
erklären wird, diese Uiguren dauerhaft aufzunehmen, wenn sie erst
einmal aus dem direkten US-Machtbereich in Guantanamo entfernt
werden." Auch sei ihre Sicherheit in dem kleinen Inselstaat nicht
garantiert und es gebe keine uigurische Gemeinde, die sich um ihre
Integration bemühen könne.
Palau soll als Dank für die Aufnahme der Gefangenen 200 Millionen
US-Dollars Entwicklungshilfe, Haushaltzuschüsse sowie weitere
Hilfestellungen von der US-Regierung erhalten, berichten
unterrichtete Kreise. Das nur 20'000 Einwohner zählende Land, das
800 Kilometer östlich der Philippinen im Nordpazifik gelegen ist,
ist akut von den Folgen des Klimawandels bedroht und dringend auf
internationale Hilfe angewiesen. Als ein von ausländischen
Hilfsgeldern abhängiger Staat sei Palau auch deswegen nicht als
Aufnahmeland geeignet, weil es die Sicherheit der ehemaligen
Guantanamo-Insassen gegenüber dem in dieser Region übermächtigen
China nicht garantieren könne. Palau ist ehemaliges Treuhandgebiet
der USA und Teil einer früheren Kolonie des Deutschen Kaiserreiches.
Der junge Staat wurde erst 1994 in die Unabhängigkeit entlassen.
"Wieder einmal werden die Guantanamo-Uiguren instrumentalisiert",
erklärte Delius. "So hat Albanien sie zuvor benutzt, um sich den
schnellen Beitritt zur NATO zu erkaufen." Auf Bitten der USA hatte
Albanien fünf weiteren in Guantanamo festgehaltenen Uiguren im
Herbst 2006 Zuflucht gewährt. Dort führen sie seither isoliert und
traumatisiert ein trauriges Dasein. Albanien werde von der
chinesischen Regierung massiv unter Druck gesetzt, die um jeden
Preis eine Auslieferung der Flüchtlinge nach China durchsetzen
wolle.
Dossier China
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