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Newsletter 429
08.06.2009
Computer-Hersteller sollen zur Zusammenarbeit mit
Zensurbehörden gezwungen werden: China plant Verschärfung der
Internetzensur
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat
Computer-Hersteller dazu aufgerufen, Chinas Behörden bei der
geplanten Verschärfung der Internetzensur nicht zu unterstützen. Die
neue Zensur richte sich nicht nur gegen Pornographie, sondern
ermögliche die totale Kontrolle jedes Internetnutzers in China. Die
GfbV befürchtet, dass gerade auch Informationen zu
Menschenrechtsfragen unter die neue Zensur fallen werden.
"Wer weltweit für einen freien und ungehinderten Zugang von
möglichst vielen Menschen zum Internet eintritt, sollte sich nicht
zum Handlanger eines Regimes machen, das willkürlich
Internet-Inhalte sperrt, um seine eigene Macht zu sichern", liess
die GfbV am Montag verlauten. Am Wochenende wurde bekannt, dass das
Ministerium für Industrie und Informationstechnologie am 19. Mai
2009 Computer-Hersteller in China angewiesen hat, ab dem 1. Juli
2009 nur noch Computer mit einer speziellen Zensur-Software
auszuliefern. Alle Geräte sollen von diesem Zeitpunkt an mit der
Software "Grüner Damm - Begleitung für Jugendliche" ausgestattet
sein. Sie soll vor "schädigenden Inhalten" schützen und ein
"harmonisches Internet" schaffen. Auch Informationen über Demokratie
und aufbegehrende Minderheiten werden von chinesischen
Sicherheitskreisen regelmässig als "Gefahren für die Harmonie"
bezeichnet.
Die Homepage der GfbV ist in China seit Monaten gesperrt, weil sie
über schwere Menschenrechtsverletzungen an Tibetern, Uiguren,
Mongolen, Falun-Gong-Anhängern und Unterstützern der
Demokratiebewegung informiert. Die GfbV kritisierte, dass sich damit
die rund 298 Millionen Internetnutzer in China sich keine eigene
freie Meinung zu wichtigen Zeitfragen bilden können.
"Mit den neuen Zwangsmassnahmen erreicht die Internetzensur in China
jedoch eine neue Qualität", erklärte die GfbV. Seien bislang vor
allem Netzwerk-Betreiber zur Kooperation mit den Zensurbehörden
gezwungen worden, so sei nun jeder einzelne Nutzer an seinem PC dem
Zugriff der Behörden unmittelbar ausgesetzt. Denn diese neue
Software ermögliche es den Zensoren, persönliche Daten jedes
Internetnutzers abzurufen und den Computer mit Viren zu blockieren.
Für den einzelnen Nutzer sei aufgrund der Software noch nicht einmal
ersichtlich, welche Homepage konkret gesperrt und nicht zugänglich
sei. Das Programm sei von der Jinhui Computer System Engineering
Company entwickelt worden, die auch seit langem mit chinesischen
Sicherheitskreisen und dem Militär in Geschäftsverbindung stehe.
Dossier China
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