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Newsletter 428
03.06.2009
Vor 20 Jahren Massaker in Peking (3./4.6.1989):
Angehörige der Opfer warten noch immer auf Gerechtigkeit
Anlässlich des 20. Jahrestages des Massakers auf dem Platz des
Himmlischen Friedens in Peking hat die Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) der chinesischen Regierung vorgeworfen, Überlebende
des Blutbades, ihre Angehörigen sowie Kritiker noch immer zu
verfolgen und keinerlei Bereitschaft zu zeigen, die blutige
Niederschlagung des friedlichen Studentenprotestes aufzuarbeiten.
"Systematisch verweigern Chinas Machthaber den Angehörigen der Opfer
des Massakers auf dem Tiananmen-Platz Gerechtigkeit", kritisierte
die GfbV die chinesische Regierung. Zwar fordere Chinas Regierung
von der Europäischen Union eine Aufhebung des damals verhängten
Waffenembargos. Doch Peking verweigere jede Aufarbeitung der
brutalen Niederschlagung der friedlichen Proteste in der Nacht vom
3. auf den 4. Juni 1989. So werde das Blutbad in der chinesischen
Öffentlichkeit weiter tabuisiert, die Verantwortlichen für die Morde
würden nicht bestraft und jede politische Neubewertung der
Protestbewegung abgelehnt.
Zwei Jahrzehnte nach der blutigen Niederschlagung der Proteste
würden chinesische Dissidenten vor dem Jahrestag noch immer unter
Hausarrest gestellt, kritisiert die GfbV. Menschenrechtler, die zu
Gedenkfeiern aufgerufen hätten, seien in den vergangenen Wochen
verhört und eingeschüchtert worden. Auch die "Vereinigung der
Tiananmen-Mütter", in der sich zahlreiche Angehörige der Opfer des
Massakers zusammengeschlossen haben, sei massiv bedrängt worden.
Mehrere Personen, die im März und April 2009 öffentlich ihr Bedauern
über das Blutbad äusserten, seien verhaftet oder von Polizisten
zusammengeschlagen worden. So sei der 40 Jahre alte Zhang Shijun am
20. März 2009 festgenommen worden, nachdem er in einem Interview mit
der Nachrichtenagentur Associated Press öffentlich bedauert hatte,
als Soldat an dem Massaker beteiligt gewesen zu sein.
Der stellvertretende Vorsitzende des "Unabhängigen Chinesischen
Schriftstellerverbandes PEN", Jiang Qisheng, sei am 31. März 2009
von Polizisten bedroht und verhört worden. Der ehemalige
Tiananmen-Gefangene war 1999 nochmals zu einer Haftstrafe verurteilt
worden, weil er zum öffentlichen Gedenken an die Opfer des Massakers
aufgerufen hatte. Bei seinem Verhör Ende März beschlagnahmten
Polizisten mehrere Computer, Bücher und Manuskripte.
Der emeritierte Professor Sun Wenguang der Shandong-Universität sei
im April 2009 von Sicherheitsbeamten zusammengeschlagen worden, als
er ihre Warnungen ignorierte und öffentlich des 2005 verstorbenen
Reformpolitikers Zhao Ziyang gedachte. Zhao Ziyang wollte die
brutale Niederschlagung der Studentenproteste 1989 verhindern. Der
75 Jahre alte ehemalige Professor wurde unmittelbar vor seinem
öffentlichen Gedenken am Mahnmal der Helden in den Shandong-Bergen
von fünf Sicherheitsbeamten angegriffen und eine zwei Meter hohe
Böschung hinuntergeworfen. Bei dem Überfall wurden ihm drei Rippen
gebrochen.
Dossier China
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