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Newsletter 427
02.06.2009
Uiguren in Guantanamo fordern Gerechtigkeit:
Uigurische Gefangene wollen juristisch ihre Aufnahme in den USA
erzwingen
Das Oberste Gericht der USA wird im Juni 2009 darüber entscheiden
müssen, ob die US-Behörden Uiguren aus dem Gefangenenlager
Guantanamo in die USA einreisen lassen müssen. Die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) wies am Dienstag darauf hin, dass bei dem
Obersten Gericht eine entsprechende Petition von 14 der 17 auf Kuba
festgehaltenen Uiguren hängig ist.
"Die US-Behörden reagieren sichtlich nervös auf das
Gerichtsverfahren, da sie eine juristische Niederlage fürchten",
sagte der GfbV-Asienspezialist Ulrich Delius. Die Uiguren, die vom
Vorwurf des Terrorismus freigesprochen wurden, werden von führenden
Rechtsanwälten aus den USA vertreten. Die Juristen engagieren sich
aus humanitären und rechtspolitischen Gründen ehrenamtlich für die
Inhaftierten. "Das kann nur bedeuten, dass die Rechtsanwälte von der
Unschuld der Uiguren überzeugt sind", sagte Delius. "Mutmassliche
Terroristen würden sie kaum so unterstützen."
Um eine Niederlage vor Gericht zu verhindern, versuchen die
US-Militärbehörden den Eindruck zu erwecken, die Uiguren würden
inzwischen jede Freiheit auf Kuba geniessen, berichtete die GfbV. So
wurde am Pfingst-Wochenende angeordnet, dass die uigurischen
Gefangenen Laptops erhalten sollen. Sie waren zum Jahresbeginn
innerhalb des Guantanamo-Komplexes in das Camp Iguana verlegt
worden. Dort herrschen deutlich mildere Haftbedingungen. So dürfen
sie inzwischen ihr eigenes Gemüse anpflanzen.
"Doch auch Laptops und Zucchini aus eigenem Anbau ändern nichts
daran, dass es die US-Behörden waren, die diesen Uiguren
widerrechtlich die Freiheit genommen und sie zu Staatenlosen gemacht
haben", kritisierte Delius. Bis heute hinderten die US-Behörden
Besucher der Uiguren daran, Fotos oder Briefe der Gefangenen aus
Guantanamo zu bringen.
Im Oktober 2008 hatte ein ziviles Gericht in Washington DC die
Verlegung der Guantanamo-Uiguren in die USA angeordnet. Die
Bush-Regierung hatte gegen dieses Urteil erfolgreich Berufung
eingelegt. Die Rechtsanwälte der Uiguren richteten daraufhin eine
Petition an das Oberste Gericht der USA, über welche die neun
Richter in Kürze beraten müssen. Am Freitag vergangener Woche hatte
die Obama-Administration die Argumente der Bush-Regierung bekräftigt
und eine Abweisung der Petition gefordert, da die Bittsteller nicht
mehr als feindliche Kämpfer angesehen würden, quasi nicht mehr in
Haft gehalten würden und alle möglichen Erleichterungen erhielten.
Dossier China
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