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Newsletter 424
12.05.2009
Neue Mitglieder des UNO-Menschenrechtsrates: Wahl
Chinas und Russlands verhöhnt Menschenrechte
Die Vollversammlung der UNO hat am heutigen Dienstag die neuen
Mitglieder seines Menschenrechtsrates gewählt. Die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) reagiert mit Bestürzung auf die Wahl Chinas
und Russlands, die im eigenen Land grundlegende Menschenrechte
missachten und jegliches Engagement der UNO für Menschenrechte in
den letzten drei Jahren sabotierten.
Für die GfbV ist es eine skandalöse Verhöhnung der Menschenrechte,
dass China und Russland erneut in den Menschenrechtsrat der UNO
gewählt wurden. Für Staaten, die Menschenrechte mit Füssen treten und
kein Interesse an einer weltweiten Durchsetzung von
menschenrechtlichen Mindeststandards haben, sollte kein Platz im
bedeutendsten UNO-Menschenrechtsgremium sein, kritisiert die
Menschenrechtsorganisation. Doch auch Saudi-Arabien und Kuba, die
ebenfalls wiedergewählt wurden, hätten in dem Rat nichts zu suchen.
Die UNO-Vollversammlung wählte heute in New York 18 neue Mitglieder
des 47 Staaten umfassenden Menschenrechtsrates für die Jahre 2009
bis 2011. Die Wiederwahl Chinas und Russlands galt bereits im
Vorfeld als gesichert, da nur die Staaten Osteuropas und Afrikas
sich nicht auf gemeinsame Kandidaten verständigen konnten und
jeweils einen Staat mehr vorschlugen als tatsächlich Sitze in dem
Gremium vorhanden sind. Bei der Wahl müssen mindestens 97 der 192
UNO-Mitgliedstaaten einer Berufung zustimmen.
Kritisch zu beurteilen sei, dass von den 192 Mitgliedern eine
überwiegende Mehrheit von 167 Staaten für die Wiederwahl Chinas und
146 für Russland stimmten, erklärte die GfbV. Sowohl China als auch
Russland hätten in den drei Jahren des Bestehens des
Menschenrechtsrates alles getan, um ein konsequentes Engagement der
UNO für Menschenrechte zu vereiteln. Sie liessen nichts unversucht,
um den Rat zu einem unverbindlichen Diskussionsclub herunterkommen
zu lassen, dem jede menschenrechtliche Glaubwürdigkeit fehlt. Auch
im eigenen Land missachten Russland und China in grober Weise
grundlegende Menschenrechte. Für die GfbV sei es bizarr, dass ein
Staat wie China, der auf seinem eigenen Territorium die von ihm
ratifizierte Anti-Folter-Konvention der UNO systematisch missachtet,
im Menschenrechtsrat über die Menschenrechtspolitik anderer Staaten
urteile.
Russlands Menschenrechtsbilanz habe sich seit dem Amtsantritt von
Präsident Dmitri Medwedew nicht verbessert. Die Schikanen gegen
Menschenrechtsorganisationen und Journalisten hätten im Gegenteil
noch zugenommen, betonte die GfbV. Russland sei eines der zehn
Länder, in denen die Arbeit für Journalisten besonders schwierig
sei. Wer kritisch berichte, setze sein Leben aufs Spiel. So seien
der prominente Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow am 19. Januar
2009 auf offener Strasse ermordet und der Leiter der
Menschenrechtsorganisation "Für Menschenrechte", Lev Ponomarjow, im
April 2009 zusammengeschlagen worden. Eine konsequente
Strafverfolgung finde nicht statt. Politik und Medien in Russland
diskriminierten Minderheitenangehörige wie Roma, Kaukasier und
Zentralasiaten, aber auch Angehörige der indigenen Gruppen
Russlands. Für Neonazis seien sie Ziel rassistisch motivierter
Gewalt. Allein 2008 verzeichnete Russland 87 Hassmorde, 378 Personen
wurden bei Neonaziangriffen verletzt.
Dossier China
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