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Newsletter 422
23.04.2009
Zehntausende Menschen auf der Flucht: China schürt
Eskalation des Krieges in Sri Lanka
China schürt die Gewalt in Sri Lanka und nimmt so den Tod von
tausenden Bürgerkriegsflüchtlingen in Kauf. Diesen schweren Vorwurf
hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag
erhoben, nachdem eine gemeinsame Resolution des UNO-Sicherheitsrats
zu dem Konflikt am Widerstand der Volksrepublik tags zuvor
gescheitert war.
"Mit seiner Blockadepolitik und seinen fortgesetzten
Waffenlieferungen ist China mitverantwortlich für die Eskalation der
Gewalt in Sri Lanka", kritisierte die GfbV. Peking habe so erneut
gezeigt, dass Menschenrechte in der chinesischen Politik keinen
Stellenwert hätten. Offenbar verfolge die chinesische Regierung ihre
eigenen politischen Interessen um jeden Preis und sei nur bedingt
bereit, weltpolitisch verantwortlich zu handeln.
In einer Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates am Mittwoch hatte
sich China vor allem geweigert, zu einem sofortigen Waffenstillstand
aufzurufen, da es eine Reorganisation und Stärkung der tamilischen
"Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) fürchtet. So hatte der
UNO-Sicherheitsrat nur die tamilischen Rebellen dazu aufgerufen,
ihre Waffen niederzulegen. An die Regierung Sri Lankas wurde die
Forderung gerichtet, Helfern freien Zugang zur Konfliktregion zu
gewähren.
"Peking verwahrt sich gegen jede Initiative zur Eindämmung des
Krieges zwar mit dem Argument, dies sei eine Einmischung in die
inneren Angelegenheiten Sri Lankas. Doch mit massiven
Waffenlieferungen mischt sich China seit Jahren in den Konflikt
ein", kritisierte die GfbV. China zählt inzwischen zu den
bedeutendsten Waffenlieferanten der Armee Sri Lankas. Im Krieg
eingesetzt würden Jian 7-Kampfjets aus chinesischer Produktion,
JY-11-3D-Radare zur Überwachung des Luftraumes sowie Boden-Luft-
Raketen aus chinesischer Fertigung. Ohne Waffen aus China hätte die
Armee Sri Lankas niemals erfolgreich ihre im Januar 2009 begonnene
Militäroffensive vorantreiben können. Im
April 2007 hatte Sri Lanka ein Abkommen mit dem chinesischen
Unternehmen Poly Technologies über Rüstungslieferungen im Wert von
37.6 Millionen US-Dollars unterzeichnet. Das Abkommen sah unter
anderem die Lieferung von 70'000 Granaten für die Artillerie vor.
Auch wurden Bomben, Maschinengewehre sowie eine modernere
Ausstattung für Sri Lankas Marine geliefert.
Die Volksrepublik China ist nicht nur das bedeutendste Geberland Sri
Lankas und unterstützt die Regierung in Colombo jährlich mit
Zuwendungen in Höhe von einer Milliarde US-Dollars. Sie ist auch Sri
Lankas wichtigster Wirtschaftspartner in Asien. Mit grossen
Entwicklungsvorhaben, wie dem voraussichtlich im Jahr 2010 fertig
gestellten neuen Hafen in der Stadt Hambantota, hat China Sri Lanka
als Bündnispartner gewonnen.
Dossier China
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