 |
 |
Newsletter 420
09.04.2009
Verfolgung von Uiguren und Tibetern verschärft: Neue
Hinrichtungen und Verhaftungen in China
China verschärft nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) die Verfolgung von Minderheiten, insbesondere der von
Uiguren in Xinjiang/Ostturkestan. Zwei Uiguren wurden heute
hingerichtet, seit Mitte März mehr als 70 aus politischen Gründen
verhaftet. Öffentliche Überwachungen sowie eine spezielle
Sicherheitseinheit sollen den Druck auf die Minderheit verstärken.
So auch in Tibet, wo gestern Todesurteile an vier tibetischen
Demonstranten verhängt wurden.
Chinas Repressionen gegen die muslimische Minderheit der
Uiguren im Nordwesten Chinas haben sich nach Angaben der GfbV erneut
verschärft. In Xinjiang wurden am heutigen Donnerstag zwei Uiguren
von einem Gericht in der Stadt Kashgar wegen eines Anschlags auf
eine Polizeistation am 4. August 2008, bei dem nach Behördenangaben
17 Polizisten ums Leben kamen, zum Tode verurteilt. Der 28 Jahre
alte Taxifahrer Kurbanjan Hemit und der 33 Jahre alte Gemüsehändler
Abdurahman Azat wurden unmittelbar nach dem Richterspruch
hingerichtet. Seit Mitte März 2009 sind mehr als 70 Uiguren bei
systematischen Hausdurchsuchungen in Kashgar aus politischen Gründen
verhaftet worden. Weitere 16 wurden in dem nahe der Stadt gelegenen
Bezirk Maralbexi festgenommen, als sie in einer öffentlichen
Grünanlage einen Kampfsport praktizierten. Ihnen wurde illegales
militärisches Training vorgeworfen. In der Stadt Hotan wurden 39
Uiguren inhaftiert und mindestens sieben Koranschulen von den
Behörden geschlossen.
Im benachbarten Tibet hat ein Gericht erst am gestrigen Mittwoch
zwei Tibeter zum Tode verurteilt, welche an den Demonstrationen im
Jahre 2008 teilnahmen. Gegen zwei
weitere Angeklagte wurden Todesurteile mit aufschiebender Wirkung verhängt.
Todesurteile an Tibetern werden aufgrund der internationalen
Proteste nur selten vollstreckt und zumeist in Haftstrafen
umgewandelt, während man zur Höchststrafe verurteilte Uiguren meist
tatsächlich hinrichtet, erklärt die GfbV. Keine andere Volksgruppe
in China leide so sehr unter der exzessiven Verhängung der
Todesstrafe wie diese muslimische Minderheit. Seit 1997 wurden mehr
als 700 Uiguren aus politischen Gründen hingerichtet.
Mit Überwachung gegen den friedlichen Widerstand
Der Sekretär der Kommunistischen Partei Xinjiangs, Wang Lequan,
hatte bei einem Besuch in Kashgar und Hotan Anfang März 2009
verstärkte Anstrengungen der Behörden beim Kampf gegen "uigurische
Terroristen" gefordert. Auch muslimische Uiguren, die in China öffentlich
für ihre Menschenrechte eintreten, werden pauschal als "Terroristen" kriminalisiert. Kashgar
gilt als traditionelles Siedlungszentrum der muslimischen
Bevölkerungsgruppe und als Zentrum des friedlichen Widerstands der
Uiguren gegen die Sinisierung der Region. In den letzten Wochen
wurden dort mehr als 2'100 Überwachungskameras auf Strassen und
öffentlichen Plätzen installiert. Ausserdem wurde eine fast 1'800
Mitarbeiter zählende spezielle Sicherheitseinheit aufgebaut, die mit
gezielten Kontrollen in Strassen, Internetcafés und anderen
Einrichtungen den Druck auf die Uiguren verstärken soll.
Dossier China
Newsletter abonnieren
|