 |
 |
Newsletter 419
08.04.2009
Erste Todesurteile wegen Unruhen in Tibet 2008:
Opfern der Gewalt widerfährt keine Gerechtigkeit
Nach der Verhängung der Todesstrafe gegen zwei Teilnehmer an den
Demonstrationen in Tibet 2008 am heutigen Mittwoch hat die
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) den chinesischen Behörden
vorgeworfen, den Opfern der Gewalt in Tibet jede Gerechtigkeit zu
verweigern. In geheimen Gerichtsprozessen ohne Rechtsbeistand werden
Demonstranten verurteilt, nicht jedoch die für die gewaltsamen
Übergriffe verantwortlichen chinesischen Sicherheitskräfte.
Die beiden Männer wurden heute wegen ihrer Beteiligung an
gewaltsamen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa im März
vergangenen Jahres von einem chinesischen Gericht zum Tode
verurteilt. Die Strafe wird nicht sofort vollstreckt, sondern hat
aufschiebende Wirkung. Zumeist wird sie nach einer gewissen Zeit in
lebenslange Haft umgewandelt. Die GfbV kritisiert, dass seit Monaten
wahllos Tibeter in geheimen Gerichtsverfahren verurteilt werden,
statt nach den Ursachen des Gewaltausbruchs in Lhasa zu fragen. So
soll jeder neue Protest im Keim ersticken werden. Die chinesischen
Sicherheitskräfte hingegen, die für den Tod von mehr als 200
tibetischen Demonstranten seit März 2008 verantwortlich seien,
wurden bisher nicht zur Rechenschaft gezogen. Den Opfern der Gewalt
in Tibet wird dadurch jede Gerechtigkeit verweigert. Die
Todesurteile seien Ausdruck einer Unrechtsjustiz, die alle
international anerkannten juristischen Grundregeln ignoriert,
erklärt die Menschenrechtsorganisation. Den Angeklagten sei jeder
angemessene Rechtsbeistand verweigert worden. Ihr Urteil habe im
Prinzip schon vor Beginn der Verhandlung festgestanden.
Mit dem heutigen Urteilsspruch wurde erstmals die Todesstrafe gegen
Tibeter seit Beginn der Unruhen im März 2008 verhängt. Während in
den meisten tibetischen Siedlungsgebieten die Proteste friedlich
blieben, kam es in Lhasa auch zu gewalttätigen Übergriffen von
Tibetern. Bis heute haben es die chinesischen Behörden jedoch
versäumt, nach den Ursachen dieser gewaltsamen Proteste zu fragen.
Ein Hauptgrund für diese Gewalt sei der massive Zuzug von immer mehr
Han-Chinesen in die tibetische Hauptstadt, erklärt die GfbV. Die
Tibeter stellen heute nur noch 20 Prozent der Bevölkerung Lhasas und
so verstärken sich die Spannungen zwischen den zunehmend verarmten
Tibetern und den zugezogenen chinesischen Migranten. Peking müsse
endlich die Zuwanderung aus anderen Landesteilen Chinas nach Tibet
eindämmen, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu vermeiden.
Dossier China
Newsletter abonnieren
|