 |
 |
Newsletter 410
09.03.2009
Afghanistan: Oberster Gerichtshof bestätigt
Unrechtsurteil gegen afghanischen Studenten
Der Oberste Gerichtshof von Afghanistan hat das Unrechtsurteil
gegen den Journalistikstudenten Sayed Parvez Kaambakhsh zu 20 Jahren
Haft überraschend bestätigt. Der Bruder des Angeklagten sei erst
jetzt aus zuverlässiger Quelle über den Richterspruch informiert
worden, der in Abwesenheit des Angeklagten und seines Anwalts
gefällt wurde, teilte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Montag mit.
"Parvez` Fall ist ein Prüfstein für die Durchsetzung von
Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Afghanistan", heisst es in
einer Erklärung der GfbV. Die GfbV fordert Staatspräsident Hamid
Karzai dazu auf, ein Zeichen zu setzen gegen den Machtanspruch der
angeblich traditionellen Führungsschicht sowie der Islamisten.
Karzai hatte mehrfach zugesagt, den Fall Parvez fair zu behandeln.
Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation muss er ihn jetzt
begnadigen. Da Karzai aufgrund der geplanten Wahlen in Afghanistan
im August 2009 Rücksicht auf Partner in der Nordallianz nehmen
müsse, könne nur starker internationaler Druck ihn dazu bewegen,
befürchtet die GfbV.
Parvez war wegen angeblicher "Gotteslästerung" am 27. Oktober 2007
vom afghanischen Geheimdienst festgenommen, gefoltert und am 23.
Januar 2008 zum Tode verurteilt worden. Nach internationalen
Protesten wurde die Strafe in 20 Jahre Haft umgewandelt. In dem
Unrechtsverfahren wurden Entlastungszeugen nicht zugelassen, das
Strafmass willkürlich festgelegt, sämtliche Fristen der
Gerichtsordnung gebrochen, und Berufungsgericht und Oberster
Gerichtshof berücksichtigten den Widerruf des einzigen, durch Folter
gepressten angeblichen Augenzeugen nicht. Mit der Verurteilung von
Parvez sollte sein Bruder, der kritische Journalist Sayed Yaqub
Ibrahimi zum Schweigen gebracht werden. Trotz Todesdrohungen hatte
dieser immer wieder Berichte über Verbrechen gegen die
Menschlichkeit, Waffen- und Drogenhandel afghanischer Kriegsfürsten
veröffentlicht.
Die beiden Brüder gehören zu den Gästen der Hamburger Stiftung für
politisch Verfolgte. Frankreich und Spanien gewährten Parvez bereits
politisches Asyl, sollte er aus dem Gefängnis entlassen werden.
Dossier Afghanistan
Newsletter abonnieren
|