Newsletter 409
09.03.2009



50 Jahre Niederschlagung des Aufstandes in Tibet: Seit 50 Jahren schaut die Welt zu

Mit der blutigen Niederschlagung des tibetischen Aufstandes vor 50 Jahren demonstrierte die Volksrepublik China ihren absoluten Machtanspruch über das 1950 besetzte Tibet. Heute schaut die internationale Staatengemeinschaft zu, während Bestrebungen für mehr politische Autonomie und die Erhaltung der letzten Reste tibetischer Identität von den chinesischen Machthabern konsequent unterdrückt werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert den Schweizer Bundesrat auf, angesichts der andauernden Tragödie deutlicher Stellung zu beziehen. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht höher gewertet werden als Menschenleben.

Im März 1959 schlug die chinesische Volksbefreiungsarmee mit massiver Brutalität den tibetischen Volksaufstand nieder, dem sich Tausende von Menschen im Kampf gegen die chinesischen Besatzer angeschlossen hatten. Tausende von Tibeterinnen und Tibetern verloren dabei ihr Leben und wesentliche Zeugnisse tibetischer Kultur wurden gezielt zerstört. Seither setzt China alles daran, die kulturelle und religiöse Identität der tibetischen Bevölkerung endgültig auszulöschen. Unter dem Vorwand der „Zivilisierung“ und Modernisierung setzt China unter anderem auch auf radikale demographische Eingriffe, um die Besatzung des rohstoffreichen und strategisch wichtigen Berglands langfristig abzusichern. Mit drakonischen Strafen werden vor Ort sämtliche Bestrebungen für mehr Autonomie und Menschenrechte in Tibet geahndet. In einem anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes in Tibet (10. März) veröffentlichten 30seitigen Report dokumentiert die GfbV die Zerstörung der tibetischen Sprache, Kultur und Identität sowie die Gleichschaltung des tibetischen Buddhismus.

Die gut organisierte tibetische Diaspora schafft es zwar immer wieder, auf die erschreckende Realität in Tibet aufmerksam zu machen und weltweit viel Sympathie für die Anliegen der Tibeter zu erreichen. 50 Jahre nach der Niederschlagung des Aufstandes in Tibet hat dies vor Ort allerdings kaum zählbare Resultate erzielt. Es zeichnet sich ab, dass China die Neugestaltung Tibets in wenigen Jahren vollendet haben wird und dass die tibetischstämmige Bevölkerung in Tibet definitiv zur Minderheit geworden sein wird. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung Chinas zeigt sich heute kein Staat bereit, China für dessen Menschenrechtsverletzungen in Tibet offen zu kritisieren. Dieses Stillschweigen wird von China als implizites Einverständnis mit dem Vorgehen in Tibet gewertet und resultiert in der weltweiten faktischen Akzeptanz der Entwicklungen in Tibet.

GfbV fordert vom Bundesrat mehr als ein Lippenbekenntnis zu den Menschenrechten
Zum 50. Jahrestag des Volksaufstandes in Tibet fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) den Schweizer Bundesrat dazu auf, künftig deutlicher Stellung gegenüber Chinas verheerender Minderheitenpolitik zu beziehen. Die fehlenden klaren Worte des Bundesrates anlässlich des Besuchs des chinesischen Premiers Wen Jiabao vor einigen Wochen sowie die den Staatsbesuch begleitende Unterdrückung der Meinungsäusserungsfreiheit von tibetischen Demonstrierenden in der Schweiz sind als Armutszeugnis für eine Schweiz zu werten, welche die Wichtigkeit der Achtung der Menschenrechte in der Bundesverfassung festgehalten hat.


GfbV-Report

Dossier China

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