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Newsletter 380
07.10.2008
Guantanamo: Erfolg für uigurische Gefangene aus
China
Angesichts wachsender Kritik an der Inhaftierung von 17 Uiguren
aus China im US-Gefangenenlager Guantanamo hat das
US-Justizministerium in der vergangenen Woche erklärt, alle in dem
Camp verbliebenen Angehörigen der muslimischen Minderheit seien
keine "feindlichen Kämpfer", berichtete die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV). Heute berät ein Bundesgericht in Washington
D.C. darüber, ob den Gefangenen nun Aufenthalt in den USA gewährt
werden kann. Falls dies nicht möglich sein sollte, fordert die GfbV,
dass die Schweiz aus humanitären Gründen eine Aufnahme eines Teils
der 17 Uiguren prüfen soll.
Inzwischen sei verfügt worden, die Uiguren aus dem
Hochsicherheitstrakt in das innerhalb der US-Marinebasis auf Kuba
gelegene Camp Iguana zu verlegen. Dort werden nur Gefangene
untergebracht, die in absehbarer Zeit freigelassen werden sollen.
"Dies ist ein grosser Erfolg für die seit sieben Jahren unschuldig
unter unmenschlichen Bedingungen inhaftierten Uiguren", erklärte die
GfbV. Fünf der 17 seit Januar 2001 inhaftierten Uiguren waren
bereits im Juni 2008 vom Terrorverdacht freigesprochen worden. Nun
wurde dieser Vorwurf auch gegenüber den übrigen zwölf noch
festgehaltenen Angehörigen der Minderheit fallengelassen.
Heute wird das Bundesgericht in Washington D.C. auf Antrag der
Anwälte der Uiguren in einer Anhörung darüber beraten, ob die
Inhaftierten tatsächlich freigelassen werden und ob ein ziviler
Richter dem US-Verteidigungsministerium anordnen kann, den Uiguren
bis zu ihrer Aufnahme in einem Drittland Zuflucht in den USA zu
gewähren. Dies fordern ihre Rechtsanwälte seit Monaten. Bislang
hatte das US-Verteidigungsministerium jedoch kategorisch verweigert,
in Guantanamo unter Terrorverdacht Inhaftierte auch nur zeitweise in
den USA aufzunehmen. Doch auch eine Abschiebung nach China wird
ausgeschlossen, da den Uiguren dort Folter und Todesstrafe drohen.
Wohl aus Furcht vor Protesten aus Peking hat sich bislang kein
Drittland bereit gefunden, den 17 Uiguren Zuflucht zu gewähren. 114
Staaten haben entsprechende Anfragen nach Informationen der
US-Behörden ausdrücklich abgelehnt. Die GfbV fordert, dass die
Schweiz aus humanitären Gründen prüfen soll, einen Teil der Uiguren
in der Schweiz aufzunehmen. In ihrer Antwort auf eine Frage von
Nationalrätin Kiener Nellen im Juni 2008 hatte Bundesrätin Micheline
Calmy-Rey erklärt, die Schweiz hätte von den US-amerikanischen
Behörden bislang keine offizielle Anfrage um Aufnahme der Uiguren
aus Guantanamo erhalten.
Im Mai 2006 hatte Albanien auf Bitten der USA fünf weitere in
Guantanamo festgehaltene Uiguren als politische Flüchtlinge
aufgenommen. Die albanische Regierung erhoffte sich damit grössere
Chancen bei ihrem Aufnahmegesuch in die NATO.
Dossier China
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