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Newsletter 374
25.08.2008
GfbV zieht kritische Bilanz:
Olympische Spiele haben Menschenrechtsverletzungen in China geschürt
Nach Beendigung der Olympischen Spiele in Peking zieht die
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Bilanz. Die
Menschenrechtsorganisation kritisiert, die Spiele hätten die
Volksrepublik nicht liberaler werden lassen. Im Gegenteil: Sie
hätten Menschenrechtsverletzungen in China noch geschürt. Keines der
Versprechen, die Peking vor den Wettkämpfen in Hinblick auf die
Menschenrechtslage abgegeben gemacht habe, sei erfüllt worden.
Uiguren und Tibetern drohe nach den Spielen sogar noch eine weitere
Verschärfung der Verfolgung.
Versagt hätten aber auch das Internationale Olympische Komitee (IOC)
und die Sponsoren der Spiele, da sie keinen Druck auf Chinas
Behörden ausgeübt hätten, um Menschenrechtsverletzungen Einhalt zu
gebieten. "Hilflos hat das IOC zugesehen, wie die chinesische
Führung die Olympischen Spiele für politische Zwecke missbraucht
hat", kritisierte die GfbV. So habe die Kommunistische Partei den
olympischen Fackellauf in Xinjiang und Tibet genutzt, um ihren
Machtanspruch über beide Regionen zu bekräftigen. Auch bei der
Organisation der Eröffnungsfeier habe die Partei das Sagen gehabt,
wie inzwischen von den Organisatoren eingeräumt wird. Es seien keine
Spiele spontaner Freude, sondern staatlich gelenkter Perfektion
gewesen.
"China hat sich bei den Wettkämpfen zwar als bedeutende Sportnation
bewiesen, jedoch mit seinem mehrfachen Wortbruch jede
Glaubwürdigkeit in Menschenrechtsfragen verloren", erklärte die
GfbV. So seien weder öffentliche Proteste gestattet noch sei
ausländischen Journalisten Presse- und Informationsfreiheit gewährt
worden. Mit der Einrichtung von so genannten "Protestzonen" sei die
Öffentlichkeit gezielt getäuscht worden, da sich die vermeintliche
Liberalisierung des Demonstrationsrechts als "Augenwischerei"
herausgestellt habe. Von den mehr als 77 Antragstellern, die ihren
Protest mindestens fünf Tage vorher anmelden mussten, habe
angesichts massiver Einschüchterung kaum einer von seinem Recht
Gebrauch gemacht.
Besonders Besorgnis erregend sei die Lage in Xinjiang, der Heimat
der rund neun Millionen Uiguren. Dort müsse nach dem Ende der Spiele
mit Massenverhaftungen und neuen Hinrichtungen gerechnet werden.
Nach Anschlägen in den Städten Kashgar und Kuqa seien hunderte
Häuser und Wohnungen von Sicherheitskräften durchsucht und
zahlreiche Uiguren verhaftet worden. Doch durch immer neue
Repressionen würden die Spannungen in der Region ständig geschürt.
Seit Anfang August 2008 habe die Kommunistische Partei mehrere
Anordnungen erlassen, um die Überwachung muslimischer Moscheen zu
verstärken und um Parteimitgliedern den Moschee-Besuch zu verbieten.
Mehr als 1'500 Uiguren seien im Jahr 2008 im Zusammenhang mit den
Spielen festgenommen worden. Aus Angst vor Protesten sei die
Bewegungsfreiheit von Uiguren systematisch eingeschränkt worden, um
sie vor und während den Spielen daran zu hindern, in den Osten
Chinas zu reisen. Auch im benachbarten Tibet habe man während der
Spiele tausende buddhistische Mönche und Nonnen am Verlassen ihrer
Klöster gehindert, um Proteste zu unterbinden.
Dossier China
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