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Newsletter 372
07.08.2008
Kotau Couchepins vor Chinas Regime: Menschenrechte
sind kein Thema
Anlässlich der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking zeigt
sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) betroffen über die
jüngsten Aussagen von Bundespräsident Pascal Couchepin. Er hatte
Menschenrechtskritik der Schweiz an China generell als sinnlos
dargestellt.
Pascal Couchepin hatte gemäss Medienberichten vom 7. August
grundsätzlich davor gewarnt, China in Sachen Menschenrechte auf die
Anklagebank zu setzen. Das bringe nichts, denn China, welches sich
seiner Stärke bewusst sei, wolle sich vom Westen nicht bevormunden
lassen.
Mit dieser Aussage erweist sich der Bundespräsident nach Ansicht der
GfbV als Totengräber des von der offiziellen Schweiz immer wieder
hochgehaltenen Dialogs über die Menschenrechte mit China und
vollzieht einen desaströsen Kotau vor dem chinesischen Regime. Nach
der Argumentation von Couchepin wären demnach kritische Aussagen
über die Menschenrechtssituation in Staaten mit grossem
wirtschaftlichen oder politischem Gewicht zum vornherein als sinnlos
anzusehen. Dies kommt einer völligen Desavouierung der bisherigen
schweizerischen Menschenrechtspolitik gleich. Es ist zugleich ein
Schlag ins Gesicht all jener chinesischen Bürgerinnen und Bürger,
welche unter der desolaten Menschenrechtssituation in China leiden.
Couchepin, der seine frühzeitig bekannt gegebene Teilnahme an der
Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking damit begründet
hatte, dass das IOC in der Schweiz seinen Sitz habe (wie übrigens
auch das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte), setzt offenbar
voll und ganz darauf, dass sich die Lage der Menschenrechte in China
von alleine verbessern wird. Dass hierzu nach Ansicht vieler
Menschenrechtsorganisationen – darunter auch die GfbV – kaum
Anzeichen zu erkennen sind, scheint Couchepin nicht zu kümmern. Mit
der unkritischen Teilnahme an der Eröffnungsfeier beweist der
Bundespräsident nicht nur wenig staatsmännisches Format. Er vergibt
vor allem auch eine einmalige Chance, anlässlich der Olympischen
Spiele 2008 ein deutliches Zeichen für die Einhaltung
internationaler menschenrechtlicher Standards zu setzen.
Dossier China
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