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Newsletter 369
05.08.2008
Anschlag auf Polizisten im Nordwesten Chinas:
Uiguren dürfen nicht pauschal als "Terroristen" abgestempelt werden
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verurteilt den
Anschlag auf eine Polizeistation im Nordwesten Chinas
mit 16 Toten, warnt jedoch davor, die Uiguren pauschal als "Terroristen" zu bezeichnen.
"Die überwältigende Mehrheit der rund neun Millionen Uiguren und die
bedeutendsten Organisationen dieser muslimischen Minderheit lehnen
Gewalt als Mittel des Protest gegen Chinas
Menschenrechtsverletzungen in ihrer Heimat ab", erklärte die GfbV.
Ausserdem hätten die Probleme Chinas in der Region Xinjiang /
Ostturkestan nichts mit internationalem Terrorismus zu tun, sondern
seien hausgemacht. Denn keine andere der 56 ethnischen Minderheiten
in China leidetso sehr unter willkürlichen Verhaftungen und
Todesurteilen wie die Uiguren.
Erst am 9. Juli 2008 waren in der Stadt Kashgar fünf Uiguren aus
politischen Gründen zum Tode verurteilt worden. Zwei der
Todesurteile wurden sofort vollstreckt, drei weitere sollen später
vollzogen werden. Am gleichen Tag waren in der Provinzhauptstadt
Urumtschi fünf Uiguren von der Polizei erschossen worden, als
Sicherheitskräfte eine religiöse Feier von15 Personen in einer
Wohnung gewaltsam auflösten. In den offiziellen staatlichen Medien
wurde die religiöse Feier als "konspiratives Treffen muslimischer
Terroristen" dargestellt, ohne irgendeinen Beweis für den
Terrorvorwurf vorzulegen.
Die chinesischen Sicherheitsbehörden haben seit Beginn der Unruhen
in Tibet im März 2008 ihre Repression in Ostturkestan deutlich
verstärkt. So wurden zwischen März und Juni 2008 mindestens 760
Uiguren aus politischen Gründen festgenommen. Weitere 1'500 Uiguren
wurden seither aus politischen Gründen verhaftet. In mehreren
Städten Ostturkestans wurden in den letzten vier Wochen Wohnungen
und mehr als 200 Geschäfte von Uiguren durchsucht. Die Polizisten
suchten dabei unter anderem Fotos der im US-Exil lebenden
Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer. Wer im
Besitz dieser Fotos der früheren politischen Gefangenen war, wurde
festgenommen.
Seit mehreren Jahren bemühe sich das offizielle China, die Uiguren
pauschal als Terroristen darzustellen, kritisierte die GfbV. Jeden
Monat würde in den staatlichen Medien über neue mutmassliche
"Terrorüberfälle" uigurischer Extremisten berichtet, die sich jedoch
bislang meist als unwahr herausgestellt hätten. So hatten Berichte
über eine vermeintliche Flugzeugentführung sowie über die Erstürmung
einer so genannten "konspirativen Wohnung" einer angeblich
muslimischen "Terrorzelle" in Urumtschi im Frühjahr 2008 nur
Kopfschütteln bei internationalen Terrorismus-Experten ausgelöst.
Beide Geschichten waren nach Anhörung von Augenzeugen nicht
glaubhaft.
Dossier China
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