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Newsletter 358
24.06.2008
"Später Sieg für Gerechtigkeit": US-Gericht gibt
Klage von uigurischem Guantanamo-Häftling aus China statt
Als "grossen Erfolg für die Menschenrechte" und "späten Sieg der
Gerechtigkeit" hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Dienstag das Urteil eines US-Berufungsgerichts bezeichnet, das die
Einstufung eines im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehaltenen
Uiguren aus China als "feindlicher Kämpfer" am Montag für ungültig
erklärt hat. Das Urteil mache deutlich, dass dieser Gefangene von
den US-Militärbehörden willkürlich zum "Terroristen" erklärt worden
sei.
Die GfbV hatte im Mai 2008 die Hintergründe der Verhaftung des
uigurischen Klägers Houzaifa Parhat sowie die unmenschlichen
Haftbedingungen aller 17 auf Kuba festgehaltenen Uiguren in einem
25-seitigen Menschenrechtsreport dokumentiert.
"Europa muss nun endlich handeln, nachdem es sechseinhalb Jahre
tatenlos zugesehen hat, wie diese 17 politischen Flüchtlinge aus
China zum Spielball internationaler Machtpolitik wurden und als
unschuldige Opfer des weltweiten Kampfes gegen den Terror unter
unmenschlichen Haftbedingungen langsam zugrunde gehen", berichtete
die GfbV. Europa könne nicht einerseits die Schliessung des
umstrittenen Gefangenenlagers fordern und andererseits keine
Initiative ergreifen, unschuldigen Insassen des Camps die Freiheit
zurückzugeben.
USA oder Europa sollen jetzt Zuflucht gewähren
Nicht nur die Weigerung der USA, die zu Unrecht auf Guantanomo
festgehaltenen Uiguren aufzunehmen, sei irritierend. Unverständlich
sei vor diesem Hintergrund auch, dass sich Guantanamo-Kritiker wie
die EU, Norwegen und die Schweiz aus Rücksicht auf China bislang
gegen eine humanitäre Aufnahme dieser 17 Männer stellten. In der
Volksrepublik droht den Guantanamo-Uiguren die Todesstrafe. Jetzt
sollten die europäischen Länder endlich ihrer Verantwortung gerecht
werden, ihr Standvermögen unter Beweis stellen und - falls dies die
USA nicht tun - diese Uiguren auch gegen den Widerstand Chinas
aufnehmen, forderte die GfbV.
Der am 11. Januar 1971 in der Stadt Gulja in Ostturkestan/Xinjiang
in China geborene Houzaifa Parhat hatte in seiner Heimatstadt nach
einem Massaker chinesischer Sicherheitskräfte im Februar 1997 viele
willkürliche Verhaftungen und politisch motivierte Todesurteile
erlebt, bevor er im Mai 2001 nach Pakistan floh. Aus Angst vor einer
Abschiebung nach China floh er weiter nach Afghanistan und suchte
dort in einem nur von Uiguren bewohnten Dorf Zuflucht.
Da die Siedlung in der Nähe von Osama Bin Ladens Basis Tora Bora
lag, wurde das Dorf im Oktober 2001 von US-Militärs bombardiert. Auf
der Flucht aus ihrem zerstörten Dorf fielen die Uiguren
Kopfgeldjägern in die Hände, die sie für eine stattliche Belohnung
den US-Militärs übergaben. Monatelang erklärten die US-Behörden, die
aufgegriffenen Uiguren seien nicht des Terrorismus verdächtig, bis
sie nachträglich willkürlich als "feindliche Kämpfer" eingestuft
wurden, um ihre Haft in Guantanamo weiter zu rechtfertigen. Gegen
diese Einstufung hatten Parhats Rechtsanwälte geklagt.
Dossier China
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