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Newsletter 351
11.06.2008
Afghanistan-Konferenz in Paris (12. Juni):
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zieht Bilanz nach zwei
Jahren Afghanistan-Pakt
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am heutigen
Mittwoch eindringlich vor einem Scheitern des Afghanistan-Paktes
gewarnt. In einem neuen Menschenrechtsbericht kommt die GfbV zum
Schluss, dass zwei Jahre nach der Unterzeichnung des von der
internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung
ausgearbeiteten Abkommens die meisten darin gegebenen Versprechen
nicht eingelöst wurden.
Anlass ist die morgen in Paris stattfindende
Afghanistan-Konferenz, während der die Geberländer Afghanistans und
die Kabuler Regierung über Fortschritte bei der Umsetzung des Paktes
zur Förderung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit
beraten werden. Nachdrücklich appellierte die GfbV an die Teilnehmer
der Konferenz, die Lage in Afghanistan nicht länger zu beschönigen,
sondern sich offen über die bestehenden Probleme auszutauschen.
"Statt der im Pakt zugesicherten "guten Regierungsführung" behindern
Vetternwirtschaft und Korruption die Funktionsfähigkeit von
Regierung und Verwaltung", kritisierte die GfbV gemeinsam mit dem
dem prominenten afghanischen Journalisten Yacub Ibrahimi. Dies sei
eines der Kernprobleme des Landes, das auch die
Menschenrechtsverletzungen begünstige. Ohne eine wirksame Bekämpfung
der Korruption könne auch der Drogenanbau- und -handel nicht spürbar
eingedämmt werden. Nur mit neuen finanziellen Zuwendungen und
grösserem militärischem Engagement alleine sei den Menschen in
Afghanistan nicht geholfen. Stattdessen müsse die internationale
Gemeinschaft konsequent auf eine Einhaltung des Paktes drängen.
Besonders dramatisch sei die Menschenrechtslage von Frauen und
Kindern. 87 Prozent der Frauen gäben an, Opfer von Gewalt geworden
zu sein. Mehrere hundert Frauen würden sich jedes Jahr aus
Verzweiflung verbrennen. Zwangsheiraten von Mädchen im Alter ab
sechs Jahren, Entführungen und Fälle von Schuld-Sklaverei würden
immer häufiger registriert. Die Hälfte aller Eheschliessungen seien
heute Zwangsheiraten mit Gläubigern, weil die Familie ihre Schulden
nicht mehr bezahlen könne.
Der Warlord-Experte Ibrahimi wies auf den ungebrochenen Einfluss der
Kriegsfürsten hin, die ungehindert Frauen und Mädchen entführten,
ihre Milizen mit neuen Waffen aufrüsteten und selbst nach schwersten
Menschenrechtsverletzungen straflos blieben. Nachdrücklich forderte
Ibrahimi die sofortige Freilassung seines Bruders Sayed Parvez
Kaambakhsh, der in einem unfairen Gerichtsverfahren im Januar 2008
zum Tode verurteilt worden war. Mit der Verurteilung versuchte man
den engagierten Journalisten und Warlord-Kritiker Ibrahimi mundtot
zu machen.
Der Menschenrechtsreport "Ungelöste Versprechen: Menschenrechte und
Wiederaufbau in Afghanistan in Gefahr" kann bei der deutschen
Sektion der GfbV per E-Mail bestellt werden
Dossier Afghanistan
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