Newsletter 336
19.03.2008


Bis zu 1'000 Festnahmen nach Protesten in Tibet: Verhafteten Tibetern drohen Folter und Tod

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) befürchtet, dass den fast 1'000 festgenommenen Tibetern jetzt Folter und unmenschliche Behandlung drohen. "Wir müssen davon ausgehen, dass die chinesischen Ermittler nun mit aller Gewalt ihre These von einer "Verschwörung der Dalai-Lama- Clique" mit so genannten "Beweisen" untermauern wollen", erklärte die GfbV am Mittwoch. Um Geständnisse zu erpressen und mögliche Mittäter zu ermitteln, wird in Chinas Gefängnissen und Polizeistationen seit Jahrzehnten systematisch gefoltert.

Seit der Unterzeichnung der Anti-Folter-Konvention durch die Volksrepublik am 12. Dezember 1986 sind nachweislich 89 Tibeter an den Folgen der in der Haft erlittenen Folter entweder während ihres Aufenthalts im Gewahrsam der Behörden oder unmittelbar nach ihrer Freilassung gestorben. Regelmässig werden politische Gefangene, die durch Misshandlungen oder Folter schwerwiegend verletzt wurden, unmittelbar vor ihrem Tod entlassen, um die Zahl der Todesfälle in der Haft gering zu halten. Vor Ausbruch der Unruhen in Tibet waren die Namen von 119 tibetischen politischen Gefangenen bekannt. Ihre tatsächliche Anzahl wird jedoch weit höher geschätzt.

China habe jetzt bereits international anerkannte Rechte Verhafteter missachtet, weil Festgenommene öffentlich in den Strassen Lhasas zur Schau gestellt worden seien, kritisierte die GfbV. Zur Abschreckung waren am vergangenen Montag 40 verhaftete Tibeter auf vier offenen Armee-Lastwagen langsam durch das Stadtzentrums Lhasas gefahren worden. "Mit besonderer Sorge erfüllt uns Pekings Aufruf zum Kampf auf Leben und Tod in Tibet", erklärte die GfbV. Diese martialischen Parolen würden nichts Gutes für die Menschenrechte in Tibet und China verheissen.


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