Newsletter 326
23.01.2008



Afghanistans kritische Journalisten werden mundtot gemacht: Journalist wurde zum Tode verurteilt

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Mittwoch gegen das gegen den afghanischen Journalisten Sayed Parwez Kaambakhsh verhängte Todesurteil protestiert. Dieses Urteil sei in einem Unrechtsverfahren gefällt worden. Die GfbV setzt sich für eine Aussetzung der Hinrichtung ein.


Das Todesurteil gegen den den 23 Jahre alten Reporter der Zeitung "Jahan-i Naw" (Neue Welt) wurde gestern nach einem Unrechtsverfahren in der Provinz Balkh (Nordafghanistan) wegen Verunglimpfung des Islam verhängt. "Wieder einmal wird der Islam missbraucht, um Kritiker der wachsenden Macht der Warlords auszuschalten", erklärte die GfbV. Es sei ungeheuerlich, dass der stellvertretende Generalstaatsanwalt Hafizullah Khaliqyar in Mazar-i Scharif nach der Urteilsverkündigung protestierenden afghanischen Journalisten mit der Festnahme gedroht habe, sollten sie ihre Proteste fortsetzen. Eine solche Rechtsbeugung ist als Zeichen des wachsenden Einflusses der Warlords auch in der afghanischen Justiz zu deuten.

Der junge Journalist war am 27. Oktober 2007 festgenommen worden, nachdem an der Balkh-Universität ein aus dem Internet herunter geladener Text verteilt worden war, in dem nach Behördenangaben der Islam angegriffen worden sein soll. Kaambakhsh bestritt damals, den angeblich mit seinem Namen unterzeichneten Text verfasst oder verbreitet zu haben.

Journalisten in Afghanistan sind davon überzeugt, dass mit diesem Unrechtsurteil Kaambakhshs älterer Bruder mundtot gemacht werden soll. Sayed Yaqub Ibrahimi ist ebenfalls Journalist und gilt als bedeutendster Kritiker der Warlords in Nordafghanistan. Ibrahimi, der für das von der Europäische Union geförderte Institute for War and Peace Reporting (IWPR) als Korrespondent aus Nordafghanistan berichtet, wurde nach mehreren kritischen Reportagen über Warlords vom Geheimdienst verhört und mit dem Tode bedroht. Als man ihm keine Straftaten nachweisen konnte, griff man im Rahmen der Sippenhaft auf seinen Bruder zurück. Nach der Verhaftung Kaambakhshs hatte der afghanische Geheimdienst das Gerücht verbreitet, die beiden Brüder würden im Interesse ausländischer Mächte den Islam verunglimpfen.

Dem jungen Journalisten droht akut die Hinrichtung, da Präsident Karzai im Herbst 2007 ein im Frühjahr 2004 verhängtes Moratorium zur Vollstreckung der Todesstrafe aufgehoben hat. Seither seien bereits mehr als ein Dutzend Verurteilte hingerichtet worden. Bereits Mitte Dezember hatte die GfbV auf den Fall aufmerksam gemacht.



Dossier Afghanistan
Newsletter abonnieren