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Newsletter 298
20.04.2007
China/Xinjiang: Sohn der Menschenrechtsaktivistin
Rebiya Kadeer unrechtmässig zu langer Haftstrafe verurteilt
Vergangenen Dienstag wurde Ablikim Abdureyim, Sohn der bekannten
uigurischen Menschenrechtsaktivistin Rebiya Kadeer, von einem
chinesischen Gericht wegen Beteiligung an sezessionistischen
Aktivitäten zu neun Jahren Haft verurteilt.
Rebiya Kadeer und ihren Familienangehörigen wird von chinesischer
Seite vorgeworfen, sie würden die uigurische Bevölkerung gegen die
chinesische Herrschaft aufhetzen und China im Ausland diffamieren.
Diese Vorwürfe sind jedoch gemäss Kadeer haltlos: „Alles, was wir
Uiguren von der chinesischen Regierung verlangen, ist Frieden und
Freiheit. Die Lage des uigurischen Volkes ist vergleichbar mit
derjenigen der Tibeter“, betont Frau Kadeer.
Frau Kadeer war selbst während sechs Jahren als politischer Häftling
in chinesischer Haft, bevor sie im März 2005 aus gesundheitlichen
Gründen entlassen wurde und in die USA ausreisen konnte. Die
chinesischen Behörden gehen seither mit kompromissloser Härte gegen
die noch in Xinjiang wohnhaften Kinder von Kadeer sowie gegen ihren
Besitz vor. „Bei meiner Ausreise in die USA drohten mir die
chinesischen Behörden, meine Familie und mein Unternehmen würden
‚erledigt’, sollte ich im Exil über die Menschenrechtslage des
uigurischen Volkes berichten“, erzählt Frau Kadeer.
China liess es nicht bei der Androhung bewenden. So wurden ihre
beiden Söhne Alim und Kahar Abdureyim am 27. November 2006 zu
jeweils hohen Geldbussen wegen angeblicher Steuerhinterziehung sowie
im Falle Alims zu sieben Jahren Haft verurteilt, just ein Tag nach
Kadeers Wahl zur Präsidentin des World Uyghur Congress (WUC). Ihr
Sohn Ablikim wurde noch am Tag ihrer Wahl derart massiv gefoltert,
dass er umfassende medizinische Hilfe benötigte. „Die
Urteilsverkündigung – und Ablikims Behandlung in Gefangenschaft –
stehen offensichtlich im Zusammenhang mit meiner Wahl zur
WUC-Präsidentin”, kommentierte Frau Kadeer diese Zwangsmassnahmen
gegen ihre Familie. Der diese Woche verurteilte Sohn Ablikim wird
seit dem 29. Mai 2006 von den chinesischen Behörden festgehalten.
Den Familienangehörigen war es nicht erlaubt, Ablikim während seiner
Haft zu besuchen sowie seinem Prozess beizuwohnen. Gemäss Frau
Kadeer hatte ihr Sohn weder Zugang zu einem Anwalt noch die
Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen. Ihr ältester Sohn Kahar
wurde zudem unlängst gezwungen, das Unternehmen der Kadeer-Familie
zu liquidieren.
Chinas Politik gegenüber Minderheiten steht im Widerspruch zu
grundlegenden Menschenrechten. Wer in Xinjiang die uigurische
Sprache benutzt oder sich gegen die unrechtmässige Behandlung durch
die Han-Chinesen (etwa gegen Enteignungen) zur Wehr setzt, wird
sofort als Separatist oder – seit der Lancierung des weltweiten
Kriegs gegen den Terrorismus – gar als Terrorist bezeichnet und
verhaftet.
Hintergrund
Die GfbV setzt sich seit Jahren für die Rechte der Minderheiten in
China ein. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat Rebiya Kadeer
zusammen mit weiteren Vertretern des Uigurischen Weltkongresses (WUC)
vergangenen Monat in die Schweiz eingeladen und verschiedene Treffen
mit Journalisten und Institutionen organisiert. Die GfbV plant zudem
anlässlich der 2008 in Peking stattfindenden olympischen
Sommerspiele mehrere Informationsveranstaltungen zur Situation der
Uiguren und anderen bedrohten Minderheiten in China.
Dossier China
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