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19.2.03
Appell an die
Europäische Union: Vertreibung von Israels
Urbevölkerung verhindern
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat
am Mittwoch an die Staaten der Europäischen Union
appelliert, die geplante Vertreibung von 68.000 Beduinen
in der Negev-Wüste in Israel zu verhindern. Um die
Zerstörung von 45 offiziell von den Behörden nicht
anerkannten Dörfern zu stoppen, hatte der Regionale Rat
der Beduinen in der Negev-Wüste die
Menschenrechtsorganisation dringend um Hilfe gebeten und
erklärt: "Der Plan, der in Kürze von der Regierung
verabschiedet wird, ist eine Kriegserklärung für die
Dorfbevölkerung." Die oft schon seit Generationen
in diesen nicht anerkannten Dörfern ansässigen Beduinen
sollen im Rahmen eines 1,75 Milliarden US-Dollar
umfassenden Fünf-Jahresplanes in drei Städten
angesiedelt werden.
Zwar sei es grundsätzlich zu begrüssen, dass die
israelische Regierung ein Programm zur Verbesserung der
Lebensbedingungen der Beduinen entwickle, heisst es in
dem Appell der GfbV. Doch statt die Betroffenen oder ihre
gewählte Vertretung in die Planung der Umsiedlung
miteinzubeziehen, solle die systematische Zerstörung der
traditionellen Lebensgrundlagen der Beduinen
offensichtlich durch ein Gesetzeswerk legitimiert werden.
Darin sind unter anderem Enteignungen und
Entschädigungen sowie die Zerstörung der nicht
anerkannten Dörfer vorgesehen, die von einer neu
aufzubauenden bewaffneten Polizeitruppe durchgesetzt und
überwacht werden soll. Auch plant die Regierung den Bau
von 14 neuen jüdischen Siedlungen auf dem Land der
Beduinen.
"Schon jetzt werden immer wieder Dörfer oder
bedeutende Gebäude der Beduinen auf Anordnung der
Behörden zerstört", kritisierte die GfbV. So habe
das Innenministerium am 5. Februar 2003 in dem 3.000
EinwohnerInnen zählenden Dorf Tel Al-Mileh die einzige
Moschee des Ortes niederreissen lassen, die mit grosser
Beteiligung der Bevölkerung erst kürzlich erbaut worden
war.
Rund 121.000 Beduinen leben in der Negev. In sieben
offiziell anerkannten und von jüdischen Bürgermeistern
kontrollierten Gemeinden siedeln etwa 53.000
UreinwohnerInnen, die ihr Land 1951 verlassen mussten.
Obwohl ihnen damals zugesichert worden war, nach sechs
Monaten wieder zurückkehren zu können, wird ihnen bis
heute die Rückkehr in ihre Dörfer untersagt. Die 68.000
Beduinen in den nicht anerkannten Dörfern leben oft in
ärmlichsten Verhältnissen von Ackerbau und Viehzucht.
Arbeitslosigkeit (60% bei Männern, 85 % bei Frauen),
Kindersterblichkeit sowie Analphabetismus sind unter der
Urbevölkerung weit verbreitet und liegen deutlich über
dem Landesdurchschnitt.
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