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27.6.02
Bundesrat:
Gefährdung durch Uranwaffen in Afghanistan überprüfen
Unabhängige Berichte schliessen nicht aus, dass
die amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan Waffen
mit abgereichertem Uran eingesetzt haben. Solche Waffen
wären für die Zivilbevölkerung und die natürliche
Umwelt äusserst gefährlich. In einem parlamentarischen
Vorstoss wird der Bundesrat aufgefordert, Massnahmen für
den Schutz der betroffenen Bevölkerung - auch des
Schweizer Personals vor Ort - abzuklären.
Am 16. Januar 2002 informierte der
US-Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld, dass in
Afghanistan in einem Fall eine hohe Konzentration von
Radioaktivität gemessen wurde. Gemäss Rumsfeld seien
vermutlich Sprengköpfe der al-Qaida, die mit
abgereichertem Uran (DU) versehen worden waren, die
Quelle dieser Radioaktivität. Der Verteidigungsminister
blieb jedoch eine Erklärung schuldig, wie die al-Qaida
die DU-Sprengkörper ohne Flugzeuge einsetzen konnte. Die
Verwendung von DU-Munition durch die US- und englischen
Streitkräfte in Afghanistan wird bestritten.
Der unabhängige britische Experte Dai Williams
analysierte in einer Studie, welche im Januar 2002
veröffentlicht wurde, den Einsatz von neuentwickelten
Waffen der US-Armee. Nach amerikanischen Angaben wurden
konventionelle Sprengköpfe durch Neuentwicklungen aus
einem "Schwermetall hoher Dichte" ersetzt.
Williams argumentiert, dass es sich bei diesem
"Schwermetall hoher Dichte" nur um
abgereichertes Uran handeln kann. Diese neue Munition sei
erstmals bei der Bombardierung von Bagdad 1991 getestet
worden und sowohl in Kosovo als auch in Afghanistan
wieder verwendet worden. Williams hält es für möglich,
dass von der US-Armee in Afghanistan grosse Mengen von
DU-Munition eingesetzt worden sind.
Der Einsatz von DU-Munition wäre für die betroffene
Bevölkerung äusserst gesundheitsschädigend. In Form
von DU-verseuchter Erde, Nahrung und vor allem von
verseuchtem Wasser würde das toxische DU hauptsächlich
zu Nierenschäden und Lungenkrebs führen. Zudem kann DU
das Zentralnervensystem schädigen und möglicherweise
die Reproduktionsfähigkeit beeinträchtigen. Im Falle
einer radioaktiven Kontamination in Afghanistan wären
nebst der ansässigen afghanischen Bevölkerung
internationale und schweizerische VertreterInnen
humanitärer Hilfsorganisationen sowie militärisches und
diplomatisches Personal den gesundheitsschädlichen
Wirkungen von abgereichertem Uran ausgesetzt.
Bundesrat zum Handeln aufgefordert
In einer Interpellation wird nun der Bundesrat von der
Nationalrätin Valérie Garbani zu Abklärungen über
eine mögliche Gefährdung der ansässigen
Zivilbevölkerung und des internationalen Personals
aufgefordert. Der Bundesrat steht hier in der
Verantwortung, weil auch Schweizerinnen und Schweizer in
Afghanistan arbeiten, bisher aber keine Massnahmen zu
deren Schutz getroffen wurden. Zudem wurde niemand über
mögliche Gefahren informiert. Der Bundesrat soll
Vorkehrungen zum Schutz der Schweizer Bürgerinnen und
Bürger in Afghanistan treffen, aber auch mögliche
Konsequenzen einer Verseuchung für den Wiederaufbau des
Landes überprüfen. Die Gesellschaft für bedrohte
Völker hatte bereits im April an zwei Tagungen zusammen
mit den Nationalrätinnen Valérie Garbani und
Anne-Catherine Menétrey-Savary sowie Vertreterinnen und
Vertretern von Hilfsorganisationen und Medien vor
möglichen Folgen von DU-Waffen gewarnt.
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Dossier Afghanistan
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